abgefahren…!

schöner Rückblick nach Schleimünde...

Nach langer häuslicher Vorbereitung und Organisation der dreimonatigen Vakanz sind wir am vergangenen Samstag endlich in Kappeln angekommen.

Dort war erstmal umfängliches Stauen von Getränken, Lebensmitteln und Klamotten angesagt, eben alles, was man für drei Monate Reise so braucht oder brauchen kann und in den vergangenen Wochen einfach nur „wild“ erstmal auf der Else abgeladen worden war.

Für Sonntag war gutes ruhiges Wetter vorhergesagt und so haben wir uns vorrangig erst einmal darauf konzentriert, eine „wesentliche Abreisebereitschaft“ herzustellen, damit wir das vorhergesagte „Motorbootwetter-Loch“ nutzen können und auf unser erstes Ziel, Bagenkop, Kurs nehmen können.

Der Sonntag erwartete uns mit sehr ruhigem und sonnigem Wetter und nach den letzten Vorbereitung hieß es dann gegen halb zwölf „Leinen los“, wie immer verbunden mit Ulis Abfahrtsscherz, nämlich schon 200 bis 300 Meter vom Liegeplatz entfernt zu fragen, ob ich auch das Landstromkabel abgemacht hätte…!

Für uns ungewohnt sind wir „unplanmäßig“ zur Brückenöffnung angekommen, wir bevorzugen – weil wir unter durchpassen – eigentlich eher die Durchfahrt bei geschlossener Brücke, damit wir nicht in die „Seglerhektik“ hineingeraten.

Auf der Schlei erwartete uns die nicht seltene sonntägliche „weiße Pest“, Segelschiffe, die mit 2, 3 Knoten bei Windstille gefühlt mehr oder weniger ziellos vor einem hin und her dümpeln und mit absichtslosen Manövern das Fahrwasser blockieren, fast könnte man da zu Fuß darauf weitergehen…

Dennoch hatten wir schon bald Schleimünde – außerhalb des Fahrwassers fahrend – erreicht und nahmen ab der „Safewater“-Tonne Schlei Kurs auf den Wegpunkt „Bagenkop“ und ließen Else bei schönsten ruhigem Wasser und blauem Himmel selbstständig auf das Ziel zuschnurren…

Spätestens jetzt hat sich richtiges „Urlaubsfeeling“ eingestellt, bis nach ca. 1/3 der Strecke irgendein hektisches Piepen am Armaturenbrett irgendeinen Alarm kundtun wollte, der allerdings nicht zu identifizieren war: Motoralarme lagen nicht an, meine „Venus“ habe ich kurzer Hand erstmal stromlos gemacht, um Alarm aus der Richtung auszuschließen und selbst nach Abschalten von Plotter und Autopilot hielt das Piepen an…!

Erst das Abschalten der Versorgungsspannung der beiden letztgenannten ließ den Piepton verstummen…

Beim Wiedereinschalten verkündete der Plotter, dass er mit irgendeinem Setup und dem Löschen von diesen und jenen Dateien beschäftigt sei; üblicherweise ist der Plotter überaus resistent gegen Abschalten oder Stromwegnehmen beim „Denken“, diesmal hat ihm irgendwas gar nicht gefallen und nachdem er mit dem Löschen und anschließenden Hochfahren fertig war, wähnte er sich in Miami…!

An sich auch ein schönes Ziel, aber irgendwie wurden wir etwas unruhig; nach (viel zu langer) Zeit hatte das GPS wieder seine Position gefunden, allerdings war der gesamte Plotter wie schon zu befürchten war, auf Werkseinstellung zurückgesetzt und sprach nicht mehr mit dem Autopiloten und anderen „Datenquellen“.

Obwohl der Autopilot über seinen eigenen Kompass verfügt, verweigerte auch er selbst das schlichte Geradeausfahren…!

Nach kurzer etwas ratloser Phase besannen wir uns dann auf die Navigationsapp auf dem Tablet, welches auch frisch aufgeladen als „Backup“ bereit lag…

Duplizität der Ereignisse: Es dauerte eine Zeit lang, bis sich die ansonsten immer einwandfrei funktionierende Navigationsapp überhaupt starten ließ, ich dort einen Wegpunkt vor Bagenkop eingeben konnte und dann meine „Seawoman“ händisch Kurs auf diesen Punkt nahm.

Da sie das schon lange nicht gemacht hatte und ich es gar nicht gut kann und mag, ohne Horizontsicht einen Kurs zu fahren, dauerte es eine Weile, bis wir uns sicher waren, dass wir auf Bagenkop, zumindest die grobe Richtung Südspitze Langeland Kurs hielten!

Eine knappe Stunde nachdem wir Miami hinter uns gelassen hatten kam dann auch der Leuchtturm „Dovens Klint“ und die große weiße Kirche in Bagenkop in Sicht und der Rest war so gesehen Routine…

Gegen 16 Uhr liefen wir dann in den Hafen von Bagenkop ein und haben trotz der über den Winter etwas verloren gegangenen Übung – es war unsere erste Fahrt der Saison – tatsächlich virtuos in alter vertrauter Seemannschaft einen schönen Liegeplatz angesteuert und problemlos festgemacht…

Trotz der frühen Stunde gab es erstmal ein großes Einlaufbier und ein bisschen „Wunden lecken“, irgendwie hatte uns die Aktion mit dem Ausfall des Autopiloten und des Plotters und des anfänglichen Versagens der Navigationsapp irritiert, vor allem der Gedanke, wenn uns das bei schlechtem Wetter und mäßiger Sicht passiert wäre…!

Fahrlässigerweise hatten wir auch angesichts der eher kurzen „Routineetappe“ und des super Wetters versäumt, uns überhaupt einen händischen Kurs anhand der Papierkarten rauszusuchen, sodass wir irgendwie nur die Grobrichtung 80° vor Augen hatten…!

Das wird für den Rest der Reise so nicht mehr passieren, wir werden alle Kurse, wie eigentlich bisher auch immer, zusätzlich händisch festlegen und aufschreiben und Wegpunkte auch in der Navigationsapp auf dem Tablet vorab festlegen.

Was bleibt, ist die Unsicherheit, warum das überhaupt passiert ist; aktuell scheint nach Neueinrichtung wieder alles zu laufen…

In den nächsten Tagen haben wir viel Zeit, es ist sehr stürmisch vorhergesagt und von daher war für uns von vorneherein klar, dass wir in Bagenkop vermutlich eine Woche „abwettern“, das ist aber so gewollt und aushaltbar, weil das Wetter nur windig, aber nicht wirklich schlecht werden soll!

Bagenkop ist ein beschauliches Örtchen und eine nette Gegend, so werden wir uns bestimmt nicht langweilen, zumal Uli zentnerweise Strickwolle mitgenommen hat und wir beide genügend Lesestoff und vor allem Muße ohne Ende haben…
Und ich habe ja auch ein bisschen Arbeit mitgenommen…
Und immer gibt es an Bord etwas zu basteln, zu pflegen oder reparieren oder einfach zu optimieren.. 😎

Sobald das Wetter es zulässt, werden wir aller Voraussicht nach Stege auf Møn fahren, um uns dann weiter in Richtung Kopenhagen, wo wir mit Sicherheit mehrere Tage bleiben werden, „hochzuarbeiten“…!

Die Eindrücke der ersten Etappe und von Bagenkop:

für drei Monate lassen wir die Schlei hinter uns…!

best seawoman ever steuert uns händisch zum Ziel nach Versagen der Navionic….

nix außer Wasser…! 😎

nahe an der Tonne um abzulesen, ob wir da sind wo wir glauben… (hinten steht die Nummer der Tonne drauf…😂)

angekommen in Bagenkop..!

Else aus neuer Perspektive…!  neben uns ein sangesfreudiges (“fahrn wir mal nach Hagenbeck, Hagenbeck…!” u.v.a.m. …) männliches Seniorentriple, zum Glück sind sie sehr früh in die Koje gegangen…

Rundblick über Bagenkop…!

Else allein am Steg…

Kirche von Bagenkop, nicht nur zum Beten, sondern auch eine gute Landmarke..!😅

Abendstimmung 1

Abendstimmung 2

4 thoughts on “abgefahren…!

  1. Hallo Crew Else,
    Danke für die schönen Bilder und der ausführlichen Beschreibung.
    Wir haben nach vielen Ostsee Törns aus altergründen 2016 aufgegeben und so ist deine Beschreibung mit Bildern wie eine Tour in die schöne Vergangenheit.
    Ich werde euere Tour sehr gerne weiterverfolgen, 2015 war unser Segler Törn zur Westküste Schweden bis zur Norwegischen Grenze, leider mussten wir aus Zeitgründen zurück.
    Einen Segler wünsche ich
    Mast und Schotbruch sowie immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel
    Was wünscht man einen Motorbootfahrer???
    Wir wünschen euch immer eine leichte Briese, glattes Wasser und alles Gute.
    Manfred und Ingrid

  2. Hi Käpt’n, habe von der Dreimonatsreise gehört und wünsche viel Spaß und Erfolg. Liebe Grüße aus der türkischen Ägäis, ich schicke schönes Wetter in den Norden – Ingrid Fischer-Nagel

  3. Herrlich! Wir haben trotz ein paar Ausrufen wie „ach du lieber Himmel“ kräftig lachen müssen . Man lernt ja irgendwie nie aus und irgendwas is immer ! Gute Fahrt wohin immer der Plotter euch führt !
    Wir winken aus ‚Hals‘ und werden selbst im Hafen kräftig durchgeschaukelt
    Anne & Andreas

  4. Moin Ihr Lieben. Stimmt, da war ja was: eine weitere große Reise. Hatte ich irgendwie verdrängt. Auch, dass Ihr über Miami anreisen wolltet, war mir entfallen. Schön, dass Ihr auch ohne unzuverlässigen Helferlein mit Kompass und Sextant den Weg gefunden habt und nicht irgendwann in der Nähe von Indien aufgelesen wurdet…
    Ich wünsche Euch eine wunderschöne Tour und mir spannende Berichte und viele schöne Bilder…so wie die im heutigen Post.
    Ganz liebe Grüße aus der Lüneburger Heide,
    Ralph

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