Senioren auf See…

Damit meine ich nicht mich, der das Glück hatte, wieder mal ein verlängertes Wochenende bei schönstem Sonnen- und Badewetter auf der ELSE in Kappeln zu verbringen zu können, auch nicht das mich derzeit auf einigen Nachbarbooten umgebende „Krampfadergeschwader“, zu dem ich zwar langsam aber sicher aufschließe, sondern wirklich bemerkenswerte, über 100 Jahre alte schwimmende echte maritime „Senioren“:

Bei meiner nächtlichen Ankunft am vorvergangenen Donnerstagabend fiel mir am Liegeplatz hinter der Brücke in Kappeln dieFreya auf: Die Freya ist ein über 100 Jahre alter Raddampfer, der eine historische “Vintage-Anmut” ausstrahlt und verzaubert.

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Irgendwann in den 1990er Jahren waren Sabine und ich zu einer Fahrt mit der Freya auf der Kieler Förde eingeladen, die zumindest mich schwer beeindruckt hatte:

Die Freya wird nach wie vor tatsächlich über ihre Seitenschaufelräder und eine Dampfmaschine angetrieben. Der Maschine konnte man bei der Arbeit durch einen „Glastisch“ im Salon der Freya zuschauen: Im „Bauch“ des Schiffes sieht man die Dampfmaschine, deren Schubstangen und den Maschinist und Heizer, der vor den Augen des auf ihn herabschauenden Publikums nicht nur heizt, sondern auch ölt, nämlich gleich zweimal: Einmal die Maschine und er selbst auch…!

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Obwohl die Fahrt mit der Freya so lange zurück liegt, kann ich mich noch sehr gut daran erinnern und habe mich beim gestrigen Anblick der Freya gefreut, sie wieder zu sehen.

Heute konnte ich dann die Freya in Fahrt bewundern, nämlich als sie schleiaufwärts am Liegeplatz der ELSE vorbeifuhr. Die nachstehenden Fotos entstanden auf der Rückfahrt der Freya und am Samstag in Kappeln und am Sonntag auf der Schlei.

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Ein Blick auf die Internetseite zeigt, dass man mit der Freya nicht nur hier und da mitfahren kann, sondern auch dass sie eine beachtliche Geschichte hat und eben diese strahlt sie unverblümt aus!

Ethel von Brixham hingegen konnte ich nicht wirklich sehen, dafür auf dem AIS und im Funk: Ethel von Brixham ist noch älter als die Freya, was sie nicht davor bewahrt hat, heute von Bremen Rescue angefunkt zu werden und gebeten wurde, Ausschau nach einem Havaristen in ihrer Nähe zu halten.

Dieser hatte einen DSC-Notruf abgesetzt, war aber über Funk nicht erreichbar. Der Notruf stellte sich als Fehlbedienung des Funkgerätes des vermeintlichen Havaristen heraus.

Neugierig, wer sich hinter so einem klangvollen Namen verbirgt, habe ich dann Ethel von Brixham gegoogelt und bin auf ein noch erstaunlicheres Schiff als die Freya gestoßen, nämlich einen  über 125 Jahre alten Gaffelschoner.

Ein Blick auf Ethel von Brixhams Internetseite regt zum Träumen und zum Mitfahren an…!

Bei dem Gedanken, was diese Schiffe gesehen und erlebt haben, was auf ihnen stattgefunden hat, wie auf ihnen gefühlt, gelebt und sicher auch gelitten und geliebt wurde, erstarre ich in Ehrfurcht und auch Respekt vor den Werken, die vor über 100 Jahren geschaffen worden sind und nicht nur im Museum stehen oder Bücher- und Internetseiten füllen, sondern auch noch „am Leben“ sind und daran teilnehmen…!

Schon beim ersten Blick auf das „Rumpflayout“ dieser Schiffe fällt auf, dass anno dazumal nicht Ressourcenverbrauch und Kraft im Überfluss Pate gestanden hat, sondern einfach schlichtes Können…!

Bleibt zu hoffen, dass diesen Unikaten noch eine weitere lange Zukunft bevorsteht und sie noch lange von den Fähigkeiten ihrer Schöpfer und Erbauer zeugen können und ein bisschen zum Nachdenken über den vielleicht wirklich besseren Teil der „guten alten Zeit“ anregen…!

Noch ein Senior, vergleichsweise jung…

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nächtliche Segelschiffimpression im Kappeler Stadthafen :

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Nacht- und “Fahrbilder” von Matthias…

 

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