Tausend Tage nach “Baltic Dream”…

…starre ich wie das Eichhörnchen auf die Schlange auf meine berufliche Situation: Unser Plan, im Juni eine kleine “Neuauflage” unserer Ostseetour  zu machen, hängt am seidenen Faden:

Ob es nun losgeht oder nicht, hängt maßgeblich von der gesundheitlichen Situation eines Mitarbeiters ab, der leider wieder seit einiger Zeit erkrankt ist und dessen Genesung und Rückkehr an seinen Arbeitsplatz ungewiss ist. 

Wenn er kommt, ist ungewiss, ob er den dann anstehenden Belastungen und Ansprüchen entsprechen kann…!

Der „Rest“ der  Mannschaft ist derzeit nicht in der Lage, zum Teil auch nicht Willens, eine adäquate Vertretung für den Juni zu leisten… 

Einmal mehr die Erkenntnis: Es gibt sie noch, „die guten Dinge“, die man nicht für Geld bekommt…! 

So ist nun alles ein „Vabanque-Spiel“: Ob es geht oder nicht geht nicht,  Klarheit werde ich erst wenige Tage vor der (möglichen) Abreise haben und selbst dann fährt die Ungewissheit mit, ob wir weiter fahren dürfen oder umkehren müssen… 

Eins weiß ich jetzt schon:

Diese Situation und über ein Jahr keinen Urlaub mehr gibt es so zwar das erste Mal in meinem Berufsleben, es wird aber auch das letzte Mal so sein und zukünftige Pläne werden entgegen aller bisher ausreichenden Lebenserfahrung nicht nur mit Gürtel und Hosenträger geschmiedet, sondern auch noch zusätzlich mit…??

Derzeit keine Ahnung !

Wie es gehen soll, weiß ich noch nicht, nur dass es gehen wird…! 

Zwischenzeitlich ist die ELSE am vergangenen Freitag vom Winterlager wieder ins Wasser befördert worden und harrt am Liegeplatz nicht nur der fragwürdigen Abreise, sondern auch der Reinigung und „Bestückung und Proviantierung“ entgegen, einen Teil davon haben wir heute schon erledigt : ELSE ist wieder wohnlich, die Kojen frisch bezogen und es fließt warmes und kaltes frisches Wasser… 

Die Fahrt aus dem Winterlager war ebenfalls in Frage gestellt:

Wohlwissend rechtzeitig, nämlich bereits Anfang Februar habe ich ELSE´s  Verdeck an den Hersteller Nauti Sattler zur Überarbeitung (Nähte, Verdeckknöpfe, Reisverschlüsse usw.) geschickt: Trotz zahlreicher Erinnerungen hatte Nauti Sattler wohl besseres zu tun und das Verdeck „völlig vergessen“!  Ohne Verdeck geht leider nichts…

Nach dem Motto „nett kann jeder, hilft nur nix“ bin ich richtig böse geworden, allerdings nur zum Teil erfolgreich: Das Verdeck ist zwar per Express noch rechtzeitig gekommen, einige Nähte und Klettbänder hat man in der Eile der letzten Stunden wohl übersehen und diese präsentieren sich genauso desolat wie vor der Reparatur…! 

Eine andere „hausgemachte“ Erfahrung gab es auch noch: 

Letztmalig hatte ich die ELSE in 2014 vor der Fahrt mit Kristian von Kappeln nach Bleckede vollgetankt: Anlässlich des in 2013 defekt gewordenen Tankgebers hatten wir unsere Kraftstoffverbräuche seitdem über die im EVC für jeden Motor angezeigten Tagesverbräuche kontrolliert und protokolliert, um nicht mit leerem Tank stehen zu bleiben. In 2014 wurde dann der Tankgeber ersetzt, aber nicht richtig kalibriert und zeigte zunächst schlüssig erscheinende Werte, aber offensichtlich dennoch völlig falsch an.

Da wir in 2014 und 2015 ohnehin nur wenig gefahren sind, hatte ich die ergänzende Kontrolle über die Durchflussmengen unterlassen, in dem festen Glauben, dass die kurzen Fahrten  schon keinen nennenswerten Einfluss auf den Tankinhalt haben werden…

Das aber  neben der Fahrt von Kappeln nach Bleckede u.a. auch zwei Fahrten ins Winterlager und viel Gleitfahrt dabei waren, habe ich irgendwie verdrängt…Zwei Jahre nicht Tanken macht ja auch irgendwie Spaß…

Beim diesmal vorsorglichen Ablassen des Kondenswassers aus den Filtertassen vor der Abfahrt erschien mir der Tank beim beiläufigen Klopfen auf denselben merkwürdig hohl, besser : leer…! 

Vorsichtshalber habe ich den Revisionsdeckel des Tanks geöffnet und das Geräusch wurde durch Augenschein bestätigt: gefühlt nur ein „Bodensatz“ von ca. 10 cm Höhe bedeckte den Tankboden. 

Erst nach mehrfacher Versicherung und Beteuerungen des Herrn Schlünz von der Firma Stockmann Boote, er habe noch 60 Liter eingefüllt, haben wir uns dann „sehr vorsichtig“ mit nur einem Motor und einem Verbrauch von 4 Litern/Stunde auf den Weg nach Bleckede gemacht und sind dort erfreulicherweise auch angekommen. 

Das uns seit Dömitz in einem Abstand von 500 Metern “verfolgende” Binnenschiff mit etwa gleicher Geschwindigkeit hatte mir etwas Sorgen gemacht, da in dieser Situation ein Ausfall des Motors eher unangenehme Folgen gehabt hätte… 

Durch die Alarmmeldungen des AIS (“gefährliches Ziel”) und die vom AIS übermittelten Fahrdaten des Binnenschiffes habe ich dann unsere Geschwindigkeit so “eingestellt”, dass der Abstand zum Binnenschiff konstant blieb…

Ein Gutes hat diese vermeidbare und letztlich durch Nachlässigkeit verursachte Situation: 

Dadurch, dass der Tank nun faktisch leer ist, weiß ich endlich einmal, wie weit man ihn, zumindest ohne Seegang, „ausfahren“ kann, gleichzeitig kann ich den Tankgeber beim Volltanken kalibrieren und das „Kraftstoffmanagement“ aus dem neuen Plotter aktivieren und somit ist dann wieder alles „auf der sicheren Seite“ ! 

Ein Wehrmutstropfen bleibt: Für die nunmehr anstehende Nachfüllmenge ist quasi ein Kleinkredit notwendig…! 

Ein paar Impressionen vom vergangenen Freitag :

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“Seaman” Felix auf ELSE, noch ohne Verdeck…

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Elbe wie immer schön, heute lieblich…

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später ein bisschen drohend….

und dann :20160513_200348_resizedRuhe nach dem Sturm beim Einlaufen…

 

Gedanken und Träume gab es schon vor ein paar Wochen :

Das nachstehende ist bereits am 25.4.2016 aufgeschrieben :

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Bei den derzeitigen Temperaturen um den Gefrierpunkt, Schnee-, Regen- und Hagelschauern fällt der Ausblick auf unser Vorhaben im Juni schwer :

Am 1. Juni soll es von Bleckede aus über die Elbe und den Elbe-Lübeck-Kanal wieder hinaus gehen auf die Ostsee !

Entlang der Mecklenburg-Vorpommerschen Ostseeküste soll es über Wismar, Warnemünde/Rostock über Rügen nach Bornholm gehen.

Nach Bornholm möchte ich, seit dem uns meine Freundin Carola die bezaubernde Postkarte von Bornholm geschickt hat: Seit diesem Zeitpunkt irgendwann Ende der 1980er Jahre hat es „Klick gemacht“ und der Wunsch „da will ich hin !“ war zementiert !

Nun soll er sich erfüllen, vorher gibt es noch gefühlt unüberwindlich viel zu regeln und das ganze Vorhaben hängt an verschiedenen seidenen Fäden, deren Haltbarkeit durch die nachhaltig desolate Mitarbeitersituation in meinem Büro fremdbestimmt ist…!

Ich hoffe, dass ich diesbezüglich wieder einmal mehr Glück haben werde und bin nach Kräften dabei, dem Glück durch „Vordenken“ und Vorbereitung auf die Sprünge zu helfen…!

Wie schon in 2013 ist unter anderem aber auch diesmal der Weg das Ziel:

Neben einer kurzen Stippvisite in 2013 war ich das letzte Mal kurz vor der „offiziellen“ Wende in 1989 auf Rügen und war beide Male gleichermaßen von dieser Insel begeistert.

So wird es auf Rügen bestimmt ein paar Tage mehr als in anderen Häfen geben, erst recht natürlich auf Bornholm, dem „Hauptziel“ der Reise.

Von Bornholm wird es zurück gehen über Ystad in Südschweden, der weitere Verlauf wird voraussichtlich in etwa der Route aus 2013 folgen, nämlich von Ystad nach Møn, Verjö, nördlich an Lolland und Falster vorbei in den großen Belt und an der Südspitze Langelands vorbei zurück nach Kappeln.

Wir freuen uns auf endlich wieder schneeweißes Kielwasser, eine blaue unendliche Ostsee und darauf, dass es wahr wird…!

Wer möchte kann uns folgen : Durch unser neu in 2015 an Bord gekommenes AIS ist ELSE`s  Route und Standort hier nahezu durchgängig zu sehen.

 

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