Mariehamn…

Der Nebel in Hellsö weicht nicht ernsthaft, er verändert sich nur : Mal sieht man mehr, mal weniger…

Es fahren Boote raus in den Nebel und es kommen welche in den Hafen und ich frage mich, ob ich ein “Schisser” bin…

Im Gespräch mit einem motorbootfahrenden Finnen und einem schwedischen Seglerpaar und einem deutschen Segler erfahre ich eine einhellige Meinung und fühle mich bestätigt :

Der Finne und die Schweden halten das Auslaufen und Fahren durch die Schären nach GPS und Kartenplotter bei diesen Bedingungen schlicht für “stupid”, der Deutsche berichtet, dass er bei strahlendem Sonnenschein ausgelaufen ist und zwei Stunden später “in die Suppe” geraten ist, trotz Fahren nach Plotter urplötzlich ein Seezeichen auf einem Felsen nur wenige Meter vor ihm aufgetaucht ist, dann, nur wenig später, zum Greifen nahe eine Fähre urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist und auch er bestärkt uns, nicht auszulaufen mit der vagen Hoffnung auf “wird schon besser…!”

Radar : “Da siehst du alles und nichts” ist die ergänzende Auskunft…

Ich muss zugeben, das mich das Warten an der Tankstelle bei schönstem Sonnenschein mit Blick auf den Nebel ohne zu wissen “geht`s heute noch los oder nicht” nervt, obwohl es eigentlich keinen Grund dazu gibt, Sonne pur, ruhige heimelige Schärenhafenstimmung, alles ist gut, aber zu sehr sitzt manchmal (immer) noch drin “es muss doch weitergehen…!”

Uli liest stoisch-beruhigend ein Buch nach dem anderem, ich klettere in regelmäßigen Abständen auf den nächstgelegenen höchsten Punkt, der “Restaurang”-Schäre, um festzustellen, dass der Nebel irgendwie anders aussieht und die flachen Schären aus ihm rausgucken…

Nach den Gesprächen mit den anderen Bootsfahrern steht die Entscheidung entgültig : Für heute ist Schluss, morgen sehen wir weiter und nach der Entscheidung kehrt bei mir Ruhe ein und wir genießen den sonnigen Abend im Nebelmeer…!

Am nächsten Morgen ist es bewölkt, aber die Sicht beträgt geschätzte fünf Seemeilen. Wir warten noch einige Zeit, ob sich dieser Zustand wie am Vortag vielleicht noch plötzlich ändert, trinken Kaffee, rauchen die eine oder andere Zigarette, streichen Schweden als Tagesziel, wollen “kleine Brötchen backen” und entscheiden uns für das zuvor gestrichene, deutlich näher liegende Mariehamn, der Hauptstadt Alands. Zudem liegen zwei “Ausweichhäfen” auf diesem Fahrwasser für den Fall, dass es urplötzlich “local fog or mist” gibt…

Los geht`s, diesiger Himmel, befriedigende Sicht und eine unkomplizierte Navigation , Papierkarte, Plotter und Tablet, alles passt und wir kurven durch die Schären und können uns trotz des bewölkten und diesigen Wetters kaum satt sehen…!

Wir fahren teilweise auf einem mit einer Maximaltiefe von 1,5 Metern gekennzeichnetem Fahrwasser, welches uns teilweise zum Greifen nah an den Schären vorbeiführt, passieren eine Brücke zwischen zwei Schären -Segler müssen draussen bleiben- und kommen irgendwann in den Bereich von Mariehamn.

Zahlreiche große Fähren laufen aus und ein und liefern sich ein “Elefantenrennen”, wir mittendrin, nicht nur dabei, und einige Zeit später erreichen wir den uns bereits in Tallin von einem Finnen empfohlenen “West Harbour” des auf einer Landzunge gelegenen Mariehamn.

Der Hafen erscheint vom Wasser aus nett und hat diverse freie Plätze.

Anlegen mit Heckbojen, zum erstem Mal gibt es keinen “alongside” Platz und keinen hilfreichen Segler, der mit seinem Beiboot ELSE`s Heckleine übernimmt und an der Boje befestigt.

Dafür kommt unser in Helsinki erworbener Bojenhaken und die ebenfalls in Helsinki gekaufte Seiltrommel für die Heckleine erfolgreich zum Einsatz : Uli fängt den Bojenhaken mit Erfolg beim ersten Mal, lässt den Haken fallen und die Heckleine von der gebremsten Trommel laufen, rast über das Gangbord nach vorne und springt trotz ihrer demolierten Gelenke bei der ersten Gelegenheit auf den einen Meter tieferen Steg, ich stoppe auf, Uli macht die Bugleinen fest und ich ziehe die Boje an die ELSE heran und wundere mich, wieviel und kräftig man so eine Heckboje an sich heranziehen muss, bis das Schiff richtig liegt…

Wir sind zufrieden, wenn nicht sogar ein bisschen stolz über unser gut gelungenes erstes “Bojenmanöver”…!

Mariehamn : Es ist tatsächlich ein bisschen “Konglomerat” aus dem bisher gesehenen, gleichwohl eine charmante Kleinstadt mit vielen Holzhäusern alten und jüngeren Baujahrs und üppigem Baumbestand, der in Deutschland längst aus Haftungsgründen “eleminiert” wäre…

Wir besichtigen den letzten weltweit “original erhaltenen” Frachtsegler, das Museumsschiff “Pommern“, in dem die Ära und das Leben und die Arbeit auf diesen Segelschiffen überaus lebendig und anschaulich vermittelt wird, ebenso wie in dem dazugehörigen Seefahrtsmuseum…

Ein sympatisches Aland-Erlebnis : In einem “Supermarkt” kaufen wir ein : ich stehe hilflos vor dem Molkereiprodukteregal und suche Quark, finde ihn nicht gleich; hinter dem Fleischtresen springt ein Verkäufer hervor und fragt mich ” can i help you ? “

” I search quark ” sage ich und er : “here is the quark”..! Daneben steht etwas quarkähnliches und ich frage, was das denn ist…

“thats for dip” erklärt er mir, bedeutet mir mitzukommen und zeigt mir mit sichtlichem Wohlbehagen an anderer Stelle verschiedene Geschmacksrichtungen “Dipmischungen”, die in eben diese quarkähnliche Zubereitung gemischt werden und die Chips dazu und wünscht freundlich “enjoy”…

Mal ehrlich, auch “urlaubsbereinigt”, macht das jemand bei Kaufland, Karstadt und Co ??

Ich fühle mich sehr “aufgehoben” und wohl dabei..!

Heute laufen wir noch mal in Mariehamn rum, Uli kauft Fisch und ich “Zubehör” zu ihrem baldigem Geburtstag, gestern wie heute regnet es das erste Mal auf unserer Reise richtig, dabei ist es mit zwanzig Grad nicht kalt…

Dadurch das das Wasser hier allerdings nur sechzehn Grad warm ist, kondensiert die feuchtwarme Luft derzeit aus…

Zu Nebel, der an die Themse passen würde, nicht jedoch in einen skandinavischen Sommer…

Allerdings kennen wir die Gepflogenheiten hier ja noch nicht richtig, möglicherweise gehört Nebel hier dazu…

Beim Wasser auffüllen komme ich noch ins Gespräch mit dem Skipper der “Skip Jack” neben uns , einem kleinen Segelschiff aus Großenbrode nett ins Gespräch und erhalte viele Hinweise zu Schweden, er von mir zu der vor ihm und hinter uns liegenden Tour durch “das Baltikum” und er stellt sich heraus das er aus dem Wendland kommt.

Mittlerweile ist es trotz 60. Breitengrad zappenduster, Mittsommer ist endgültig vorbei und bei dem zwischenzeitlich aufgekommenen starken Wind schaukelt ELSE an ihrer Heckboje gewaltig, allerdings ohne an die Pier zu rummsen wie in Warnemünde, Ustka oder Dirhami…

Nur ab und zu “küsst” sie, fenderbewehrt, kaum merklich die leeseitig neben uns liegende finnische Segeyacht…

Morgen früh soll es schachwindig und sonnig sein und wir wollen nach Furusund in Schweden…

Mal sehen wie es kommt…

Ein paar Eindrücke, wie immer unsortiert, diesmal aber kommentiert…

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Mariehamn-Impression….

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Kapitänssalon der “Pommern”…

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Gymnasium von Mariehamn…

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Seezeichen bis der Arzt kommt…

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“Elefantenrennen” der Fähren vor Mariehamn…

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Die “Pommern”…

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da müssen wir durch, nicht nur zum Spaß, sondern durch das Fahrwasser mit “garantierten” 1.5 Meter Mindesttiefe…

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dasselbe, schon näher und größer…

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“Schärerei” ohne Ende, aber gut betonnt….

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“dito”…

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für Segler tabu ; Brücke zwischen zwei Schären, Durchfahrtshöhe 5,2 Meter…

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“Segelimpression” in Hellsö…

Also echt jetzt, dass ist alles sowas von…!!

 

 

 

 

 

 

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