Lettland…!

Wieder “auf See” !

Der Post entsteht gerade auf der Fahrt von Liepaja, Lettland in Richtung Norden, “Tagesziel” Ventspils, vorher vorsorglicher Tankstopp in Pavilosta, weil es dann bis Riga keine Tankstelle mehr gibt.
In einem Abstand von fünf Seemeilen zur Küste dringen wir gerade in das “Firing danger area M 2″ ein, einem Schiessübungsgebiet der lettischen Marine. Liepaja traffic konnte beim Auslaufen keine Auskunft geben, ob das Gebiet aktuell befahren werden darf oder nicht; Es ist zwar Samstag und erfahrungsgemäß sind die”Firing danger areas ” dann inaktiv, am südwestlichen Begrenzungspunkt des “areas” ist jedoch in weiter Ferne ein Marineschiff zu sehen…
Ich möchte nicht, das wir ein zweites Mal aufgebracht werden – obwohl, in Lettland wäre ich ja “Ersttäter”- und so fasse ich mir ein Herz und rufe auf Kanal 16 nach der “Latvija Navy”, die auch prompt antwortet. Ich erläutere unser Begehr “Firing danger area M 2” zu queren und der Wachhabende erklärt mir, “the firing exercises are finished and you can proceed, good watch..!” Na Bitte, geht doch, wir sparen etwa 25 Meilen Umweg und “proceeden” angstfrei in gerader Linie das Übungsgebiet.

Was haben wir zuvor erlebt ?

Wir schauen uns Juodkrante an, besuchen einen Holzfigurenpfad in den Wäldern um Juodkrante und beobachten von unserem Liegeplatz an der Dorfpier das überschaubare Treiben in Juodkrante, das sich nett, aber weniger nett als Nidden und bei der Vorbeifahrt nach Nidden präsentiert. Dafür ist die Stimmung eindrucksvoll, völlig windstill, spiegelglattes Wasser, lautes Fröschequaken aus dem Schilf unweit der ELSE und mit Beginn der Dunkelheit setzt ein periodisches Unterwassergeräusch ein, dessen Herkunft wir nicht ergründen können, nur das es zum Glück nicht von der ELSE ausgeht.

In der Nacht setzt auf einmal leichter Wind ein, der aber an der Pier kleine, lautstarke und unangenehme Wellen erzeugt und die Nacht etwas unruhig werden läßt. Einmal mehr begreifen wir, dass ein eben noch ruhiger und kommoder Liegeplatz unbequem werden kann, zudem, wenn man sich noch in der zunehmenden Phase des Windes befindet. Es bleibt überschaubar und um halb acht brechen wir auf nach Klaipeda, um unsere verbleibende komplette litauische Barschaft vollständige in Kraftstoff einzutauschen.

Der Tankwart wartet wie telefonisch verabredet um neun vor der Tankstelle, er stellt den Betrag unserer Barschaft am Computer ein und die Zapfsäule stoppt nach 170 Litern. Der mutmaßlich russische Tankwart bemüht sich freundlich um ein paar deutsch Worte und entschuldigt den spärlichen Wortschatz mit der fünfzig Jahre zurückliegenden Schulzeit. Sehr nett und freundlich !

Wir brechen auf und wie schon bei der Ankunft ist die Dame im Funk schlicht zu blöd zu begreifen, dass wir uns wie vorgeschrieben abmelden wollen. Erst als ein Kerl dazwischen geht klappt es, die quäkende Dame im Hintergrund scheint auch ihn zu nerven.

Bei der Ankunft in Klaipeda war das auch schon, erst sagt die Tante, wir sollen uns melden wenn wir die Hafeneinfahrt passieren, als wir das dann tun, weiß sie nicht mehr, wer wir sind und was wir wollen, obwohl die Verständigung eindeutig erscheint. Auch hier griff regelnd der Kerl ein, sie quäkend im Hintergrund… Erster und letzter Eindruck von Litauen, auch eine Art Visitenkarte…

Nach schöner Fahrt auf sonnigem blaugrünen Meer mit weissem Kielwasser kommt Liepaja in Sicht, dem vernehmen und der Literatur nach eher ein Hafen und eine Stadt zum Umfahren. Der erste Eindruck ist in der Tat wenig charmant, verschiedenste, überwiegend übelste Hafengerüche, dafür jemand Kompetentes am Funk und wir “entern” durch das “southgate” in den Hafen und fahren in den “Tirdzniecibas kanals” ins Stadtzentrum, bis es vor einer zu flachen Straßenbrücke nicht mehr weitergeht. Dort ist vor dem “Promenade Hotel” der “Yachtanleger” und ein jüngerer Hafenmeister bedeutet uns, wo wir anlegen möchten und hilft uns dann am Steg, nimmt Ulis wie immer perfekt für alle Eventualitäten vorbereiteten Leinen selbst vom Schiff an und macht uns vorne fest.

Ein freundlicher englisch sprechender Empfang, Hinweise, Prospekte und Plan zur Stadt, Übersicht der lettischen Ostseehäfen mit allen Kontaktdaten, kurz unsere “Registrierung”, zahlen wenn wir fahren, alles gut…!

Ich hoffe, wir werden hier die Bilder für den Blog los und frage nach Wifi, “but a guy has taken the antenna away..!, auch hier nix mit Wlan, ausser mit unserem “weekpass” der Telekom, der aber zum Bilder hochladen netzbedingt nicht wirklich taugt…

Egal, wir machen einen kurzen Landgang in die Umgebung, das Zentrum liegt unmittelbar am Hafen, und stellen “mit Entsetzen” fest, dass wir auch hier nicht gleich wieder am nächsten Tag weiterfahren wollen, so interessant und vielfältig von Sowjet-Schrott bis hypermodern stellt sich der erste Eindruck dar.

Zu diesem gehört auch, dass augenscheinlich hier die Menschen -jung wie alt- fröhlicher, aufgeschlossener, kommunikativer sind und dem Blick nicht ausweichen wie das in Litauen – ausser dort in Nidden- der Fall war…

Wie geht das, woher kommt das ??! Wir verstehen es nicht, können aber auch keinen fragen, der es uns erklären kann.

Letztlich ist es auch egal, aber spontan fühlen wir uns viel wohler als in Klaipeda.

Wir kaufen noch etwas zum Abendbrot ein und geniessen den Abend auf der ELSE und beobachten das Treiben um uns herum und wollen morgen mehr von Liepaja.

Vor allem wollen wir die russisch-orthodoxe Kathedrale anschauen, wir haben so etwas noch nie gesehen;

Bei der Einfahrt in den Hafen habe ich sie aus der Ferne gesehen und zunächst dachte ich, es wären irgendwelche Gasfackeln im Industriehafen, so flackerten ihre vergoldeten Türme im Sonnenlicht…

Am nächsten Morgen bestellen wir uns an der Hotelrezeption ein Taxi, der Weg zu Kathedrale ist uns mit zwölf Kilometern insgesamt zu lang, unsere “Fussläufigkeit” wollen wir uns für einen ausgedehnten Stadtbummel erhalten und das warme, fast drückende Wetter ermuntert auch nicht gerade zu einem Fussmarsch durch Industrievororte.

Der Taxifahrer bringt uns zur Kathedrale und verspricht zu warten.

Die Kathedrale ist beeindruckend, von aussen wie innen, innen ist der Eingang mit frischem Birkenlaub geschmückt, eine Heerschar von bekopftuchten Frauen in Kittelschürzen ist damit beschäftigt den lackierten maroden Holzfussboden zu wienern, wobei aus nicht erkennbaren Gründen schmutziges Putzwasser von einem zum anderen Eimer, in dem auch schon schmutziges Putzwasser ist, gegossen wird.

Es riecht nach Weihrauch und Räucherstäbchen. Das Kirchenschiff hat “Hallencharakter” hier und da sind Sitzgruppen aus Stühlen, Bänken und Tischen, letztere mit weissen Tischtüchern wie in einem Biergarten aufgestellt. Überall unzählige bunte Heiligenbilder, eine mystisch-heimelige fremdartige Athmosphäre, in die kurz ein für uns ungewohnt gekleideter Geistlicher aus einem Nebengelass herausäugt.

Wir haben genug gesehen, der Taxifahrer wartet und er bringt uns zurück ins Stadtzentrum und setzt uns, auf unsere Bitte hin, an einem großen Baumarkt ab. Ich liebe Baumärkte und gerade in anderen Ländern bin ich immer neugierig, was es da anderes als bei uns geben mag…

Ausserdem hatten wir schon wieder Wasser im Motoraum, der zuvor geflickte Warmwasserschlauch hat an anderer Stelle wieder nadelfeine Löcher – woher und warum zum Glück nur dieses Stück weiß kein Mensch – und mein mitgeführter Ersatzschlauch ist nur für Kaltwasser. So will ich denn meine “Vorräte” und mein “Ersatzteillager” aufstocken…

Der Baumarkt macht viel Spaß…

Hierzu später mehr…

Zu Liepaja gibt es noch viel zu erzählen…

Zwischenzeitlich sind wir nach Tankstopp in Pavilosta in Ventspils angekommen und heute nach Roja gefahren, der letzte Zwischenstopp vor Riga….

Und : wieder möchte man bleiben; Mittsommernachtsfest in Roja ! Wir mitten drin, das ungewohnte Tanzbein schwingend und gar nicht fremd, LETTLAND und die Letten sind toll, offen und vieles andere mehr…

Nun ist es zu spät mehr zu schreiben und Bilder einzustellen, obwohl nun endlich mal eine gute www-Verbindung da ist…

In RIGA, dem “Paris des Ostens” bestimmt auch…

Wir lassen uns wie bisher überraschen…

Eins noch zum Schluss dieses Posts :

Es ist unglaublich, wie leer das Meer ist : neun Stunden auf dem Wasser und wenn`s hochkommt vier Schiffe, ansonsten “nur” eine endlose Naturküste steuerbords oder offenes Mees bis zum Horizont backbords…
Sonne, Wellen, monotones beruhigendes Motorenbrummen, sonnen, “chillen”, schreiben, “auf`s Wasser “glotzen”, aufräumen und und und…

Eine ganz andere Welt und wir haben unglaublich Glück mit dem Wetter und die Aussichten für die nächsten Wochen sind gut…!

Hier ein paar aktuelle Eindrücke :

Mittsommerfest in Roja…

Endspurt in Gleitfahrt nach Roja….

Stimmung “auf See”

Strand bei Ventspils...

Strand bei Ventspils…

Leuchtturm KOLKA an der " Nordspitze "Lettlands...

Leuchtturm KOLKA an der ” Nordspitze “Lettlands…

One thought on “Lettland…!

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