Ab in`s Haff…

Klaipeda ist nicht wirklich charmant…

Am Freitag gefällt es uns dort im “Kastellgraben” nicht mehr richtig, das Wetter ist gräulich und windig und hinter ELSE dümpeln kieloben tote Fische zwischem allerlei Unrat.

Zunächst hatten wir überlegt, ob wir das kurische Haff auslassen wollen, da trotz unser üppig vorhandenen Zeit dieselbe läuft und wir “weiter rauf” wollen.
Da ich dann aber nie erfahren werde wie es dort wirklich ist, steht das “Auslassen” nicht ernsthaft zur Debatte.

Wir versuchen, vom “diensthabenden” Hafenmeister noch etwas Aktuelles über das Haff rauszukriegen, aber außer zur Rückgabe der Kaution für die “Klokarte” ist er zu keinen Auskünften in der Lage, wobei er darin zu etwa gleichen Teilen durch mangelnde Englischkenntnisse und mangelndes Interesse behindert wird. Damit befindet er sich aber in guter Gesellschaft mit dem überwiegenden Teil der “Hafenmannschaft”.

Jede Viertelstunde vor der “vollen Stunde” öffnet angeblich die Drehbrücke und wir machen uns rechtzeitig los und auf zur Drehbrücke. Zum Glück klappt das “rauswinden” aus dem engen Liegeplatz trotz des Windes und wir erreichen die geschlossene Drehbrücke… Da dort niemand ist, machen wir provisorisch an einem dort liegenden Fischerboot längsseits fest und warten. Die “Brückendreher” -die Brücke wird von zwei Mann per Hand bedient- kommen eine Viertelstunde später und drehen die Brücke eher griessgrämig auf und entlassen uns aus dem “Käfig”. Wahrscheinlich ist ihr Zeitgefühl durcheinandergeraten oder sie waren zu schwach, haben sie doch “um halb” ausserplanmäßig die Brücke für ein Fischerboot geöffnet…

Ein kurzes Stück auf der “Dange”, dann sind wir auf der Memel und fahren in Richtung Haff.

Auf der Steuerbordseite sieht die “Nehrungsseite” schon ganz ansehnlich aus, die Backbordseite besteht nur aus Kränen, Kaimauern und Industrie.

Das Ende von Klaipeda naht, der Fluss wird dort durch eine kleine Insel geteilt, man soll den rechten Arm des Flusses nehmen, wobei kurzeitig leichte Irritationen entstehen, weil zum einen in diesem Arm mittig ein undefinierbares schwimmendes “Röhrensystem” verankert ist und zum anderen die Tonnen nicht so liegen und bezeichnet sind, wie sie auf der elektronischen und auf der Papierseekarte eingetragen sind, alle drei “Anordnungen” weichen voneinander ab.

Wir suchen uns in langsamer Fahrt den am sinnvollsten erscheinenden Weg und erreichen kurze Zeit später das Haff.

Der Wind hat nachgelassen und wir fahren auf für uns “elbegewohnten” komfortablen Wassertiefen zwischen 1,8 – 3,2 Meter unter Autopilot von Tonne zu Tonne.

Hier stimmen Bezeichnung und Lage wieder, alles passt.
Auf der “Nehrungsseite” Wald und erste hohe Dünen, die bis ins Wasser “züngeln”. Eine beeindruckende Landschaft, kein anderes Schiff weit und breit. Zwischenzeitlich beginnt es etwas zu nieseln.

Wir passieren die Orte auf der Nehrung, manchmal führt das Fahrwasser ganz nahe am Ufer vorbei und wir können erkennen, das Judokrante (“Schwarzort”) ein überaus possierliches zwischen Wäldern eingebettetes Örtchen ist. Da ein benutzbarer Anleger erkennbar ist, “merken” wir Schwarzort für die Rückfahrt vor. Laut Beschreibung soll es in den Wäldern von Schwarzort Elche und Wildschweine geben !

Weiter geht die Fahrt an Dünen, Wäldern und einem Leuchttürmchen namens Arkliu Ragas auf einem Steininselchen vor dem Ort Pervalka vorbei. Bald darauf kommt nach etwa dreistündiger Fahrt Nidden, unser Ziel, in Sicht. Hier vertun wir uns kurz unspektaklär mit den Tonnen und interpretieren eine Tonne des abzweigenden Fahrwassers ins Memeldelta als “unsere Nächste”; da das irgendwie nicht mit Kurs und Ziel zusammenpasst, bemerken wir das schnell und nehmen Kurs auf die richtige, letzte Tonne vor Nidden.

Der besten Tonnenleserin westlich des Urals tropft der Angstschweiss von der Stirn, da wir wohl erstmalig an einer Heckboje festmachen müssen. Im Hafen eingelaufen stellt sich heraus, das das Adrenalin vergebens produziert wurde, neben den gefürchteten Heckbojen lädt ein langer Steg in Hafenmitte zum beidseitigen längsseitigen Anlegen an.

Das klappt erst beim zweiten Mal, ich habe gar nicht bemerkt, wie zwischenzeitlich der Wind zugenommen hat und beim Anlegen als heftiger Seitenwind, gegen den das Bugstrahlruder machtlos ist, ELSE wieder vom Steg wegdrückt. Neuer Versuch mit mehr Fahrt und wir legen an und von einer an der anderen Stegseite liegenden deutschen Motoryacht nimmt uns die Skipperin die Leinen an.

Gute deutsche, in anderen Ländern leider nicht übliche Sitte.

Das Anlegen findet bei zwischenzeitlich aufgeklartem besten sonnigen Wetter statt und vom Liegeplatz haben wir direkten Blick auf die “berühmte” große Düne von Nidden. Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hingucken sollen.

Kurze Zeit später begrüßt und der Hafenmeister, der der Beschreibung der Hafenhandbuchs entspricht : “Kure mit schwedischem Habitus”. Wir dürfen da bleiben wo wir liegen und sollen für die “Registration” in sein Büro kommen, wenn wir Zeit dazu haben…
Das tun wir denn auch bald -gezahlt wird bei der Abfahrt-, um danach gleich durch den Ort zu laufen : Unbeschreiblich, schön, nett, liebevoll, schwedisch anmutende Häuser mit liebevollen Gärten davor, Bäume überall, die Straßenlampen kurz unter der Leuchte mit üppigen Geranien geschmückt !

Viele Gartenrestaurants, teils direkt am Haff, schlendernde fröhliche Menschen, ein unbeschreibliches gleichermaßen mediterran wie skandinavisch anmutendes Ensemble !

Es ist mild und sonnig.

Wir erkunden noch ein wenig mehr vom Ort und sind uns sicher, das Nidden unsere Reispläne durcheinanderbringen wird : Hier werden wir länger bleiben, mindestens drei, vier Tage !

In einem der Gartenrestaurants gehen wir noch ganz vorzüglich, sehr freundlich bedient sehr preiswert Essen und lassen die Eindrücke des Tages bis lange nach Mitternacht sacken.

Morgen wollen wir mehr sehen, die große Düne, mehr vom Ort und und und…

Mein Fahrrad ist schon startklar…!

Wie immer : Bilder folgen bei schneller und stabiler Internetverbindung…

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