Shit happens II oder „Die ganze Geschichte“ -Teil 1-

Danzig ist schön und das Wetter ist schön und wir sind am Beginn unserer zweiten Woche in Danzig.

In mehren Etappen haben wir unsere Tour fortgesetzt und sind von unserem Liegeplatz in der „Marina Gdansk“ ca. 700 Meter entfernt in der „Marina Lotus“, einer von uns so genannten wunderschönen Bootstankstelle der Mineralölfirma Lotos. Nein, im Ernst, sie ist wirklich schön, hat einen kleinen Kiosk,  monitorüberwacht, nachts hell erleuchtet und durch einen Wachmann gesichert, der auch über ELSE´s und unsere nächtliche Sicherheit wacht, sofern er nicht angelt oder eingeschlummert ist.

Nach Dienstschluss der Tankstelle um 20 Uhr geht der Tankwart und der Wachmann kommt, morgens um acht das gleiche Spiel, nur anders herum.

Wir kennen mittlerweile alle und alle wissen, das wir ELSE des Nachts zum Schutz vor eventuell irgendwie an ELSE und ihrem Inhalt Intersssierten „händisch“ vor die Tankstelle ziehen, dahin, wo man sonst tankt.

Morgens um acht müssen wir da wieder weg sein und legen ELSE wieder neben die Tankstelle. Die Tage verbringen wir mit verschiedenen „Aktionen“ um ELSE wieder fahrbereit zu machen.

Was ist passiert ? Der Reihe nach :

Nach der glücklich beendet geglaubten „Entwässerungsaktion“ sollte am Samstag Morgen zwischen acht und neun ja noch ein „Mechaniker“ kommen, der uns noch mit eventuellen weiteren „Maßnahmen“ helfen sollte. Nachdem der Mann bis um elf nicht erschienen war, haben wir beschlossen, den Weg nach Hel als „Absprungshafen“ nach Klaipeda anzutreten. Gesagt, getan, ablegefertig, beide Motoren an und los… Nach nur 50 Metern Fahrstrecke piept es „Wasser im Kraftstoff…!“

Schnell ausgeschaltet, bevor die wieder richtig Wasser saugen und mit der Restfahrt an den nächstgelegenen zum Glück freien Steg. Warum ? Gestern Abend liefen sie doch lange und ohne das Wasser nachkam einwandfrei ?? Keine rechte Ahnung. Ich entwässere nochmals, wir legen ab, vorerst nur mit einem Motor, damit nicht wieder beide zur gleichen Zeit Querelen machen, sollte das Problem erneut auftreten.

Noch glauben wir an etwas „Restwasser“ oder irgendwas, was gleich vorbei ist…Die Entscheidung bewährt sich : wir schaffen es noch am Krantor und dem Museumsschiff Soldeck vorbei und der laufende Motor meldet, was wohl :“Wasser im Kraftstoff“…! Schnell den einen aus und den anderen an, auf diese Weise schaffen wir es gerade bis zum Anleger des „Hilton Hotel“ und wir werden unvermittelt zur Begaffungsattraktion, d.h., vielmehr Uli, die sich mit Erfolg, aber ohne Hilfe der Gaffer müht, ELSE im Schwell der Ausflugsschiffe richtig festzumachen, während ich „im Keller“ die Vorfilter entwässere und von „da oben“ nicht viel mitkriege. Um es kurz zu machen : Die nächste Etappe endet aus gleichen Gründen zwangsweise zwischen der schon erwähnten Bootstankstelle und dem Kreuzfahrtschiff „Johannes Brahms“.

Verschnaufen ! Frust, Hilflosigkeit !!

Wir kommen ins Gespräch mit den sehr netten und hilfsbereiten Tankwarten. Der ältere von den beiden spricht gut Englisch, ist früher zu See gefahren und bemüht sich um Mitwirkung an der Lösung des Problems. Wir fragen, ob er Kraftsoff absaugen kann, kann er nicht, seine Lösung „go to the sea and give the shit outbord“ erscheint uns mangels Fahrfähigkeit und aus anderen Gründen unrealistisch. Er telefoniert hin und her und übergibt uns einen Telefonnummer von einem Yachtservice, der aber erst ab Montag morgen wieder zur Verfügung steht. Er schlägt noch vor, auf der „Johannes Brahms“ nach dem Maschinisten zu fragen, vielleicht kann der helfen…! Gute Idee !! Ich pilgere auf die „Johannes Brahms“. Nach mehreren Versuchen finde ich auf dem ansonsten verwaisten Kreuzfahrer ein Crewmitglied und frage nach dem Maschinisten. Den findet er nicht, verspricht aber, ihn zu informieren und zu uns rüberzuschicken. Nur einige Zeit später erscheint auf der ELSE ein kurzgeschorener kerniger Mensch, der sich als Maschinist der „Johannes Brahms“ vorstellt und fragt, wie er uns helfen kann. Wir besprechen die Situation und das bisher Probierte mit dem sehr gut deutsch sprechenden, aus Decin stammenden Tschechen und er zieht los, um sich umzuziehen und eine Pumpe zu holen, mit der wir versuchen wollen, Wasser vom Tankboden abzusaugen. Das ist mäßig erfolgreich, es kommt praktisch kein Wasser und wir kommen durch das Inspektionsluk im Tank auch nur in eine der durch Schlingerbleche im Tank abtrennten Kammern, die zudem am höchsten liegt und somit am wenigsten Wasser „erwarten lässt“. Der Maschinist vermutet nur noch wenig Wasser im Tank, empfiehlt, weiter wie bisher durch laufen lassen der Motoren und Entwässern der Vorfilter weiter zu entwässern und der hilfsbereite Tankwart verkauft uns noch Wasserbindemittel für Dieselkraftstoff, welches wir am Ende einer vielstündigen Entwässerungsaktion in den Tank kippen. Zum Verteilen  des Bindemittels schaukeln wir ELSE zur Belustigung aller Spaziergänger wie ein Baby.

Einige Zeit später, es kommt wie schon am Freitag auch nach langer Motorlaufzeit nur Diesel aus dem Vorfiltern, machen wir eine Probefahrt. Nur eine Runde, „Wasseralarm“, wie gehabt…

Alles vergebens, wir geben vorerst auf, wollen Montag und den „Yachtfritzen“ abwarten. Mit dem Tankwart regeln wir das zuvor beschriebene „Übernachtungsprocedere“. Am schon späten Abend schlendern wir an der „Johannes Brahms“ vorbei und sehen dort „unseren“ Maschinisten beim „Sundowner“ im Gespräch mit einem älteren Herren. „Hallo. alles erledigt“ fragt er, was wir wahrrheitsgemäß mit hängenden Köpfen verneinen. „Oh je, ich dachte, Ihr seid längst fertig…“ Er bespricht sich auf polnisch mit dem älteren Herren, den er uns als „cleveren Mechanikerfreund“ vorstellt. Die beiden tauschen sich auf polnisch lange über das Problem aus und nach einiger Zeit präsentiert er uns das Ergebniss der Überlegungen der beiden : Wir müßten die ELSE schräg legen, damit das Wasser auf dem Tankboden in eine Ecke läuft und wir es dann absaugen können…! Ah ja, toll, wie den ? „Mit dem Kran der „Johannes Brahms“, können wir eben machen, morgen früh sind wir unterwegs nach Kaliningrad, dann geht`s nicht mehr..!“ Unglaublich : Er wechselt wieder die Klamotten, holt seine Pumpe und weist uns an, neben dem Heck der „Johannes Brahms“. längseits zu gehen…! Gesagt getan, kurze Zeit ist der Kranhaken des Kreuzfahres an ELSE Mittelklampe befestigt und der ältere Herr bedient den Kran, während der Maschinist mit Pumpe und Wasserwaage die ELSE entert. Die Klampe hält zum Glück, ELSE hat beachtliche Schlagseite, die der Maschinist mit der Wasserwaage überprüft… Der „Kranführer“  kommt dazu, wir pumpen in einen durchsichtigen Kanister… Vergebens: kein oder kaum Wasser…Zu schade, hätte ja klappen können… Wir kommen gemeinsam zu der Überzeugung, das der Dieselkraftstoff raus muss… Das werden wir versuchen, am Montag morgen mit dem Yachtservice zu organisieren… Etwas frustiert wird die erfolglose spektakuläre Aktion am Heck des Kreuzfahrtschiffes beendet und wir legen uns auf unsere „Nachtposition“ an der „Marina Lotus“.

Es bleibt die Freude über uneingeschränkte forderungslose Hilfsbereitschaft und ein toller Blick auf die Altstadt.

Den Sonntag verbringen wir mit dem  Beobachten des überaus interessanten Treiben an der an diesem Tag gut besuchten Bootstankstelle, an der sich unter anderem zahllose Jetskis mit kahlgeschorenen Fahrern in wurstpellenartigen Neoprenanzügen bedienen, um dann im Bereich der Altstadt und vor dem „Hilton“ auf und abzupreschen…

Ich schließe das für das Winterlager abgeklemmte und bisher nicht benötigte Solarmodul an, damit wir keinen Strommangel bekommen -Landstrom gibt es in „Marina Lotus“ ebenso wie Wasser nicht- und den Wasserverbrauch schränken wir auch ein, wer weiß, wie lange wir hier noch liegen müssen.

Dafür geht das Klo wunderbar, ist ja auch alles toll durchgespült…

Ein weiterer Stadtrundgang in der Altstadt schließt sich an, wir entecken neue Straßenzüge und sonntägliche Stimmungen und decken uns mit Lebensmitteln und Bier ein, die Geschäfte haben hier auch am Sonntag geöffnet.

Ich bin froh über den nächtlichen Liegeplatz mit Nachtwächter vor der Tankstelle, neben überwiegend „normalen“ Menschen gibt es auch ein paar schwer einschätzbare angetrunkene, aggressiv wirkende Gestalten deren Vorlieben zu später Stunde vorstellbar sind…

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, aber die Zeit zum Schreiben…

In den nächsten Tagen kommt mehr und auch Bilder, von dem Dreissigtonner, der die kleine Straße vor der ELSE nicht befahren darf um 250 Liter Diesel aus dem Tank zu saugen und den netten Serviceleuten aus der „Neptun Marina“…

Es bleibt spannendend und wie hoffen erneut :“Morgen ist alles gut !“…

Ein Gedanke zu „Shit happens II oder „Die ganze Geschichte“ -Teil 1-

  1. Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen.

    Ich wünsche Euch weiterhin nur lösbare Probleme, oder noch besser, das nun die Probleme vorbei sind.
    Genießt trotzdem alles schöne und lasst Euch die Laune nicht verderben.
    In Gedanken bin ich auch wieder „on Tour“.
    Gruß Karl-Heinz von der „Molly“

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