SuperDAU oder „Shit happens“…

Dümmer kann`s nicht kommen :

Heute wollen wir zurück nach Hel , als „Absprungsbasis“ für die Überfahrt nach Litauen und bei schönstem Wetter sind wir gegen halb elf startklar. Ich lasse die Motoren an, beide springen wie immer sofort an, jedoch kommt unmittelbar danach ein schriller Warnton, im Display die Anzeige -für beide Motoren- „Wasser im Kraftstoff..!!“

Noch bevor ich die Motoren abstellen kann, gehen sie röchelnd von alleine aus !!! Was ist passiert ?? Das beide Motoren betroffen sind versetzt mich in Panik !

Wir öffnen den Motorraum und bewaffnet mit einem passenden Schraubenschlüssel und einem Gefäß krabbele ich in denselben und öffne am Vorfilter des Steuerbordmotors die Wasserablasschraube…Was kommt, ist Wasser, klar und rein, ohne Kraftstoff, minutenlang, scheint es sich aus dem Tank zu heben, die „Tasse“ des Wasserabscheiders wäre längst leer !!

Ich kriege Panik, wo komm das her ??!!

Uli fragt : „sag mal, kann das mit unserer Spülaktion mit dem Toilettentank zu tun haben..?“

„Frauenlogik“, lebensnah und wie so oft leider war…! Den Rest der Geschichte müßte man eigentlich verheimlichen oder zumindest nur für „registrierte Mitglieder“ zugänglich machen.

Bei dem Versuch, die verstopfte Fäkalientankentlüftung von aussen mit Wasser zu spülen, habe ich die fälschlicherweise die Kraftstofftankentlüftung erwischt  !! Die liegt fast da, wo der Fäkalientank installiert ist, sieht genauso aus und, tja, kann wohl passieren, aber ich bin kurz vor dem Heulen, das ganze Szenario der daraus resultierenden Probleme schlägt über mir zusammen :

Tankwagen zum Absaugen, 400 Liter Sondermüll in Form von verunreinigtem Diesel entsorgen, neu Tanken, wie hinkommen zur Tankstelle, kaputte Einspritzpumpen und und und….!

Ich bin verzweifelt über meinen Irrtum und die Summe der möglichen Folgen…!!

Uli verströmt Ruhe, macht das Boot wieder richtig fest, schließt den Landstrom wieder an und kocht Kaffee, wohlwissend, das das kommende keine „Fünfminutenaktion“ wird…

Um etwas zu tun lasse ich am Steuerbordmotor weiter Wasser ab, zum Glück fließt und fließt es…
Ich entlüfte die Pumpe am Motor, was kommt ist Wasser…!!!
Irgendwann kommt aus beiden Öffnungen -Wasserabscheider und Pumpe- eine Flüssigkeit, die Dieselkraftstoff nicht unähnlich ist…

Ich versuche, den Steuerbordmotor zu starten; vergebens ! Gefühlt tausend weitere Versuche später – ablassen, entlüften, warten bis Kraftstoff kommt- erwacht „Nummer eins“ scheppernd zum Leben. Fünfzehn Sekunden später das Ende : „Wasser im Kraftstoff“ meldet das Display…!

Um es abzukürzen : Viele Versuche später bekomme ich auf diese Weise „Nummer eins“ zum laufen, eine Stunde später „Nummer zwei“.Ich lasse beide Motoren stundenlang laufen, immer wieder kommt die Warnmeldung, der Wasserabscheider scheidet ab wie verrückt und ich lasse ab wie verrückt…!

Insgesamt fördern wir auf diese Weise ca.15 Liter Wasser aus dem Tank, zum Glück gibt es in der Marina einen Behälter für Öl und Bilgenwasser und so werden wir das Zeug wenigstens los. Die fünfzehn Liter entsprechen etwa der Menge, die ich gefühlt über die Entlüftung in den Tank befördert habe, zwischenzeitlich wird seit einer Stunde kein Wasser mehr abgeschieden und der Alptraum scheint dem Ende entgegen zu gehen.

Mein Gott, wie doof ist das denn alles…! Uli hat zwischenzeitlich eine weitere Nacht Liegeplatzgebühren in Danzig bezahlt…

Wenigstens strahlender Sonnenschein und hilfsbereite Menschen: Noch während ich mich abmühe, fragt Uli in gebrochenem Englisch im „Bosmanat“ und im „Sailorshop“ nach Hilfe und die „Marinaleute“ mühen sich um einen Mechaniker. Ein ausschliesslich polnisch sprechender Mensch kommt in Begleitung der englisch sprechenden jungen Frau aus dem „Bosmanat“ und zusammen rufen sie einen Mechaniker an, sie übersetzt, der andere spricht mit dem Mechaniker, der am Telefon meine Anlassversuche mitbekommt und fernmündlich anmahnt „only five seconds starting, than wait..!“

Nun scheint zunächst alles gut, Morgen früh um acht kommt der „Mechaniker“, von dem ich noch mal eine andere als meine Einschätzung (besser doch die gleiche…!) hören will, nämlich das der Spuk durch vorbeschriebene Aktionen hoffentlich vorbei ist…!

Morgen werden wir dann tanken, die Schraubenschlüssel und das Gefäß zum Wasserablassen – so denn noch welches kommt- liegen in Griffweite.

Nach Hel ist es nicht weit und etwaige „Spätfolgen“ dürften sich bis dahin bemerkbar machen !

Hoffentlich nicht, die Überfahrt nach Klaipeda soll nicht unfreiwillig in Baltisk enden…!

 Vorsorglich hängt hier schon die russische Gastlandsflagge…!

Ich hoffe sehr, das wir sie nicht brauchen !

Beiläufig hat sich auf diese Weise das von mir immer befürchtete schwächste Glied der Doppelmotorisierung offenbart : Ein geinsamer Tank !

 Jetzt werde ich mich mit dem „Piwo Extra Mocne“ entspannen….

Morgen ist alles gut…!

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Die nackte Panik im Gesicht…!

 

Wasser ablassen, stundenlang...

Wasser ablassen, stundenlang…

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„Entspannungsbesuch…..“

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„Entspannungspiwo extra stark…!“

 

3 Gedanken zu „SuperDAU oder „Shit happens“…

  1. Hey ihr beiden,
    ich hoffe, dass es sich damit auch hatte an Pannen. Wobei…ist selbstverschuldet noch unter „Panne“ zu subsummieren?!??? 🙂 Aber schön , dass es doch so scheinbar glimpflich abgelaufen ist – das auf See…na danke!!! Und Respekt dafür, dass du uns an deiner Schusseligkeit ( sach ich nu ma einfach so) teilhaben lässt – hätte bestimmt nicht jeder gemacht!!!
    Wie dem auch sei, nach wie vor ist es absolut unterhaltend den Blog zu verfolgen; bei mir kommt ordentlich Fernweh auf!! ( Und das kleine Ziehen in der Magengegend könnte Lachmuskelkater sein – herrlich die Anglerstudie!!!)Freue mich schon auf meine 4 Wochen mit Hund und Bulli!!! Dann haltet die Ohren weiter steif, bis zum nächsten Mal,
    lieben Gruß von Dani

  2. Dagegen ist ein gerissenes Segel ja fast harmlos … ;-).
    Toi, toi, toi für die Weiterfahrt!
    Angesprochenes gerissenes Segel aus dem letzten Jahr befindet sich nun in unserem Carportschuppen und wird demnächst als Sonnensegel für die Terrasse weiter verarbeitet! Kein Sondermüll :-).

    • Nur einTank? Single point of failure nennt man so was…
      Macht nix, du hast ja auch nur einen Rumpf ein Lenkrad und so weiter…lol
      Mach dir nichts draus. Sei froh, dass dir das nicht auf hoher See passiert ist…
      Also so langsam wird euer Blog ja filmreif. Ich bitte aber dringend von weiterer Dramatisierung Abstand zu nehmen 😉
      Viel Glück auf dem Weg nach Klaipeda, immer ein handbreit Wasser unter dem Kiel und Diesel in der Kraftstoffleitung!
      Ich darf jetzt als Alternativprogrammm mit Alena, Jonathan, Mila und Anastasia nach Hamburg fahren….

      Liebe Grüße,
      B.

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