Gdansk…!

Danzig !

Eigentlich schon wieder ein Vorgriff :  Schon in Danzig angekommen, habe ich noch gar nicht davon geschrieben, wie wir da hingekommen sind :

Aufgrund des schönen Wetters sind wir von Leba tatsächlich gleich nach Hel auf der gleichnamigen Halbinsel, die die Danziger Bucht teilweise von der Ostsee abtrennt, gefahren, Wladyslawow haben wir ausgelassen. Die Fahrt auf einer zum Teil völlig glatten blaugrünen Ostsee mit einer trotzdem mindestens einen Meter hohen Dünung, die von schräg hinten unter ELSE “durchläuft” und sie wie einen Flummi bremst und schiebt war auch wieder völlig neu, das Meer hat tausend Gesichter und Spielarten…

Ansonsten war “Behördentag” : Auf Höhe Wladyslawow folgt uns einige Zeit ein Patrouillenboot der “Polish Boarder Guard”, beäugt uns lange und dreht erst ab, als Uli, die die Sonnenliege achtern ziert, sich von leicht beschürzt auf moderat kleidet…

In Hel angekommen dauert es keine halbe Stunde, als auf der Pier vor der ELSE ein Fahrzeug der was wohl, wieder der “Polish Boarder Guard” vorfährt und der einzige uniformierte Insasse, dessen Uniform mich ein wenig an die Karl-May-Festspiele erinnert, nach dem Schiffsnamen, der “Herkunft” und den “persons on board” fragt. Die Angaben notiert er in einem Notizbüchlein, in dem ich andere andere Eintragungen erspähe, die mir nach einer Einkaufsliste aussehen… Pässe will er nicht sehen, “we are welcome” und wir verabschieden uns freundlich mit einem festen Händedruck. Witzig, warum tun die das, Nähe zur “Schengen-Aussengrenze” oder was ? Egal, ausgespochen freundlich, nicht bedrohlich…

Hel ist eher Zwischenstation, wir wollen weiter nach Danzig, zuvor legen uns in den für uns frühen Morgenstunden Hafenarbeiter um, d.h., sie wollen den Putz an der Kaimauer genau da ausbessern wo die Else liegt. Dazu machen sie die Else samt schlafendem Inhalt los und ziehen sie etwa zwanzig Meter weiter, etwas entschuldigend peinlich berührt, als sie mich schlaftrunken an Deck wankend sehen…

Wir brechen von unserem neuen Liegeplatz schnell auf, sind bald mitten auf der Danziger Bucht, wie gestern schon verliert der Tiefenmesser sein Signal, hier ist die Ostsee für uns ungewohnt richtig tief.

Kurz vor Danzig liegen einige große Schiffe auf Reede, am letzen Tonnenpaar vor der Einfahrt erhalten wir vom “Kapitanat” die “permission to enter the harbour” und rein geht`s nach Danzig !

Zunächst passieren wir die “Westerplatte”, ein Ehren- und Mahnmal, welches an die Beschießung durch die “Schleswig Holstein” am 01.09.1939 und den Beginn des zweiten Weltkrieges erinnert; dort ist es  geboten die polnische Flagge zu “dippen”; da wir nicht genau wissen, was dippen ist und das bei einem Motorboot sowieso nicht geht, beschränken wir uns darauf, die zuvor zu diesem Zweck aufgesetzten Mützen abzunehmen, liegt doch genau gegenüber der Westerplatte das Kapitanat und man will ja auch nichts falsch machen…

Es folgen rechts und links überwiegend Werftbetriebe, ein großes Seeschiff kommt uns mit doppelter Schlepperhilfe entgegen, ein “turning bassin” (Wendeplatz für große Schiffe) und eine “Kreuzung” passiert, einmal abgebogen und dann tut sich eher urplötzlich vor Else`s Bug die imposante Danziger Altstadt mit dem “Krantor” auf. Wir verlangsamen die schon langsame Fahrt noch mehr um alles “aufzusaugen”, direkt gegenüber dem “Krantor” biegen wir nach backbord in die “Marina Gdansk” ein und fädeln uns rückwärts in einen freien Liegeplatz ein.

Wir sind ziemlich sprachlos, diese beeindruckende Einfahrt nach “Gdansk” bei dem tollen warmen Wetter, der geniale Liegeplatz mit Blick auf und in unmittelbarer Nähe zur Altstadt -Gnade der frühen Jahreszeit, im Sommer sicher undenkbar- und die “Möglichkeiten” dieser sicherlich tollen Stadt überwältigen uns schlicht…

Wir “kommen erst mal an” und machen uns auf den Weg in die Stadt. Die Sprachlosigkeit wird noch getoppt, man weiss gar nicht, wo man zuerst hingucken soll, wir kaufen auf einem Markt etwas ein, um auf dem Boot Abendbrot zu essen…Essen gehen können wir hier immer noch, heute muss erst mal alles “sacken”…

Wo zum Teufel haben die Polen diese riesengroßen Tomaten her, die nach Tomaten schmecken ??! Eingelegte Gurken, “hausgemachtes” Sauerkraut, scharfe Radieschen und und und, tausend Sachen gibt es auf dem Markt und auch eine weitere “Reisepflanze” für die ELSE…

Wie beschliessen, mindestens bis Donnerstag oder Freitag zu bleiben, “Gdansk” kann man nicht “by the way” besuchen…

Ausserdem möchte ich hier nun vor der langen Fahrt um Russland rum – fast 120 Seemeilen – endlich die Rettungsinsel montieren und hier werden wir auch neue Festmacherleinen und “Reservefender” kaufen können, Ustka und die stürmische Nacht haben die Fender optisch spürbar altern lassen…

Zunächst nimmt uns Danzig mit seinem Flair gefangen….

Chilli Zet“, der örtliche schöne Musiksender mit wenig “Reklama” und keinen Nachrichten und einem sanften Moderator verschönt uns den Abend und macht einmal mehr Urlaubsflair…

Motorboote aus Deutschland gibt`s hier übrigens nicht mehr, dafür eine geniale “traditionelle polnische Ente”, sehr viel Geschmack für wenig Geld, wenngleich in Danzig  alles etwas teuerer ist als in Leba….

Bilder folgen….

One thought on “Gdansk…!

  1. Mit ein wenig Aioli schaffen es doch wohl auch Nicht-Segler, eine Flagge geschmackvoll zu dippen…;-)
    Neeee, Scherz beiseite, dippen heißt, halb niederholen und wieder setzen. Wenn man nur eine kleine Flagge am Flaggenstock hat , nimmt man den aus der Halterung, hält die Flagge kurz waagerecht und setzt sie dann wieder ein.
    Freu mich auf Bilder!

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