The Fog – vier Stunden Angst

Der erste Post vom Wasser…! Es gibt viel zu erzählen, der Text ist noch nicht fertig, dafür aber die ein wenig “selbsterklärenden” Bilder…

Die lange Geschichte kommt in den nächsten Tagen…!

Nachtrag 28.05.2013 : hier ist sie auch schon..!

Nach einem hektischen – fast fluchtartigen – Aufbruch – wir wollen endlich los! – sind wir am Sonntag nach dem Frühstück nach Kappeln aufgebrochen.

Noch einmal war das Auto wieder so vollgestopft, dass wir das Angebot von Anke, ob sie denn etwas nach Kappeln bringen soll, gerne in Anspruch genommen haben.

Dort angekommen hat uns Anke schon mit dem von ihr transportierten Teil des Gepäcks erwartet; im Verlauf des späten Nachmittags kamen dann noch Harry und Silke mit ihrem Julian und einem befreundeten Paar mit Kindern, um uns zu verabschieden.

Nach ein paar Stunden war die Else abschließend “bestückt” und ist entgegen der Erwartung nicht untergegangen, war aber kaum mehr “begehbar”, da erst einmal alles auf’s Boot geschafft worden ist, ohne es sinnvoll zu verstauen. Dafür war es einfach zu viel! Egal: erst einmal war alles an Ort und Stelle und in Anbetracht des für Pfingstmontag vorhergesagten ruhigen schönen Wetters haben wir das Chaos Chaos sein lassen und sind mehr oder weniger erschöpft in die Koie gefallen, um am Montag rechtzeitig “aus den Federn” zu kommen.

Der Pfingstmontag erwartete uns gegen halb sieben Uhr morgens mit diesigem aber durchaus “sichtigem” Wetter, sodass wir im Hinblick auf das Tagesziel Rostock einen “Schnellstart” hingelegt haben, um das erwartete schöne Wetter mit ruhigem Wasser in gemischter Verdränger- und Gleitfahrt zu genießen…

Es kam ganz anders:

Irgendwie war es nach wie vor diesig, erschien aber “fahrbar”. Der Leuchtturm von Schleimünde, dessen Getröte wegen schlechter Sicht wir schon am Liegeplatz in Kappel gehört hatten, war durchaus bereits in einer geschätzten Entfernung von ca. einer Seemeile noch zu erkennen, sodass wir unsere Fahrt durch die Schleimündung auf die Ostseee fortsetzen mit dem Zwischenziel Fehmarnsund. Schon bald wurde die Sicht unmerklich, aber irgendwie schlechter, sowohl die Voraussicht, als auch die Rücksicht; irgendwie erschien uns der Himmel darüber aber hell und so waren wir der festen Überzeugung “das lichtet sich gleich”!

Nichts lichtet sich, stattdessen tauchte, eigentlich auch noch ganz gut sichtbar in sicherer Entfernung ein Fischkutter auf, der mit dem Setzen von Radarreflektor bestückten Bojen zur Kennzeichnung seiner Netze beschäftigt war. “Na gut, den konnte man eigentlich noch ganz gut im Nebel erkennen”, dachten wir und setzten unsere Fahrt fort.

Irgendwie wurde es immer dichter, unsere Überlegungen umzukehren erschienen uns absurd, weil es vorne wie hinten gleich aussah und irgendwie müsste es ja gleich auch einmal zu Ende sein….! Wie gesagt, es kam anders, der Nebel hielt sich, die Sichtweite verringerte sich auf geschätzte 50 m, gut daran zu erkennen, dass ein eher großer Schweinswal unseren Kurs mit einer beeindruckenden Finne auf seinem Rücken querte.

Wir glauben, dass alles gleich vorbei ist und sich der Nebel lichtet, zusammen mit der Anspannung, die man auch als Angst bezeichnen könnte: man konnte schlicht nicht mehr die Hand vor Augen sehen, nichts mehr wahrnehmen und gebannt starten wir in den Nebel und lauschten, soweit das eigene Motorengeräusch das zuließ, Nebelhörner oder Motorgeräuschen anderer Schiffe. Nichts, einfach nichts! Völlig unvermittelt tauchte unmittelbar vor dem Bug ein Segelschiff auf, zum Glück nicht auf Kollisionskurs, sondern um ca. 30 m versetzt; ganz kurzes rüberwinken, ich möchte noch ein Bild machen, geht nicht mehr, schon weg…! Da war sie, die Bestätigung, dass man im Bedarfsfall nicht, aber auch nichts mehr machen kann, zumal das Segelschiff und der Motor sehr langsam fuhr, ebenso wie wir.

Zwischenzeitlich hatte das in den Nebel Starren Folgen: Sowohl Uli als auch ich sahen schemenhafte Gestalten, Schiffe, Blitze, Trauerweiden, Irrlichter und und und ! Kein Reinsteigern, es war irre, die Konzentration spielt einen Streich und auf einmal war uns ziemlich klar, warum Seeleute früher das eine oder andere Mal Geisterschiffe oder meinetwegen auch den Klabautermann gesehen haben wollen…”!

Zwischenzeitlich hatte ich das “virtuelle AIS” auf meinem Tablet konsultiert und konnte auf der dort dargestellten Seekarte sehen, dass hinter uns ein Segelschiff namens OBAN fuhr; um wenigstens etwas außer geradeaus im Blindflug zu fahren, kam mir eine gute Idee: Auf Kanal 16 sprach ich die OBAN an, die auch nett gleich antwortete: Zum einen bat ich sie, mitzuteilen, ob sie uns wenigstens auf ihrem Radar sehen würden, was sie Dank meines Radarreflektors bestätigten. Wenigstens etwas, dachten wir, normal fährt bei so einem Wetter kein Idiot ohne Radar und dann sehen die uns wenigstens…!

Die zweite Bitte an die OBAN wurde abschlägig beschieden: Meine Idee war, wenn z. B. die OBAN auch in Richtung Fehmarn unterwegs wäre, zurückzufahren und mich an sie “ranzuhängen” und in ihrem Schatten zu folgen, weil die ja nun durch ihre Radar einfach mehr sehen. Leider teilte der Skipper von der OBAN mit, dass ihr Ziel Kiel sei, wobei mir beim Schreiben dieser Sätze die Idee kommt, dass man der OBAN auch nach Kiel hätte folgen können, um aus dem Schlamassel rauszukommen. Auf diese Idee bin ich in Folge meiner angespannten Sinne aber zum Zeitpunkt des Kontakts mit der OBAN nicht gekommen.

Da es in alle Richtungen gleich mies aussah, beschlossen wir notgedrungen, die Fahrt fortzusetzen. Nach ca. vier Stunden lichtete sich der “obere Teil” des Himmels und eine völlig schemenhaften Sonne erschien, allerdings ohne jeglichen Einfluss auf die völlig miese Voraussicht.

Gefühlt noch ca. eine weitere Stunde sind wir in der Suppe gefahren, dann endlich lichtete sich der Nebel, das Grau wich einem Wattebauschnebel, der weiterhin jegliche Entfernungswahrnehmung verhinderte, wenigstens wurde das Ganze von einem strahlend blauen Himmel gekrönt.

Die Stimmung stieg, erlösende Gleitfahrt mit 24 Konten vermittelte das Gefühl, dass es vorbei ist und wir dies unfreiwillige und letztlich irgendwo ungewollt leichtsinnige Abenteuer unbeschadet überstanden haben.

Nach einigen Meilen war wieder Schluss: Der Nebel sah zwar nicht mehr bedrohlich aus, da diesmal weiß anstatt grau, aber die Sicht war wieder minimal und nicht einschätzbar.

Auf dem “virtuellen AIS” wurden einige Berufsschiffe im Umkreis von ca. 10 – 20 Meilen dargestellt; wieder um irgendetwas zu tun, habe ich diese Schiffe der Reihe nach per Funk angesprochen, um endlich bei einem unter zypriotischer Flagge fahrenden Frachter namens “AURORA” Erfolg zu haben; der Wachhabende auf der AURORA und ich wechseln die Funkkanäle, um unser Gespräch vom Anrufkanal auf den “Quasselkanal” zu verlagern. In meinem gebrochenen Englisch schildere ich ihm kurz meine Situation und erbat seine Auskunft zur Sicht an seiner “Current Position”: kurze Frage, klare Antwort “fog, visibility hundred meter”. Na klasse, und das dann wohl die nächsten 15 Seemeilen noch! Um es kurz zu machen: Der Nebel lichtete sich sehr viel schneller als befürchtet, wir nahmen wieder erleichtert die Gleitfahrt auf und hatten endlich das Gefühl, das alles vorbei ist und der Reisebeginn seinen erhofften Verlauf nimmt.

Durch die Gleitfahrt sind wir dann relativ schnell in Fehmarnsund angekommen, haben vorher noch ganz viele Schweinswale, zum Teil in Gruppen von mehreren Tieren, im Bereich des Fehmarnsundes gesehen, um dann Kurs auf Rostock zu nehmen. Erneute kurze Zweifel, die Sicht wurde wieder schlechter, außer Frage noch ca. 5 km, aber aufgrund des bisher Erlebten, waren wir in unserer Euphorie etwas zurückhaltender geworden und wägten einige Zeit lang ab, ob wir den “Ritt” von Fehmarn nach Rostock, nochmals ca. 35 Seemeilen, antreten oder nicht.

Ein Blick auf die Satellitenkarte offenbarte die Sichtverschlechterung im Fehmarnsund offensichtlich als Schauer und telefonische Rücksprache mit Bernd von der Tabaluga, die ebenfalls auf dem Weg nach Rostock war, ergab, dass die Sicht den ganzen Tag auf dieser Strecke und auch aktuell eigentlich vergleichsweise erträglich war.

So haben wir uns dann entschieden, noch einmal richtig Gas zu geben und sind in völlig ruhiger entspannender Gleitfahrt über eine fast lieblich anmutende völlig glatte Ostsee, die in weiße Watte gepackt in einen blauen Himmel überging, in Richtung Rostock gebraust.

Ca. 10 Seemeilen vor Rostock haben wir dann direkt Funkkontakt mit der Tabaluga aufgenommen und uns für “gemeinsames Liegen” im “alten Strom” in Warnemünde verständigt.

Gegen 17.30 Uhr lag die Else sicher vertäut vor der Tabaluga an der Mole des alten Stromes.

Das obligatorische Einlaufbier ließ die Anspannung endgültig auf den Nullpunkt fallen und in Müdigkeit übergehen.

Wir sind dann noch an der “Waterfront” des durchaus charmanten Bereichs des “alten Stromes” in Warnemünde Essen gegangen, um dann ebenso erschöpft wie am Vorabend in Koje zu fallen.

Da die Wettervorhersage von dem vorhergesagten ruhigen sonnigen Wetter auf Regen und Wind aus West mutierte, war ziemlich schnell klar, dass wir auch am nächsten Tag noch in Warnemünde bleiben werden.

Da sind wir denn auch, sogar einen zweiten Tag, weil aus dem vorhergesagten etwas schlechterem Wetter nämlich richtig schlechtes geworden ist: den ganzen Tag Gallerregen, Wind bis Stärke 7 aus West und eine an der Mole knarzende und schaukelnde Else.

An den Außenmolen der Warnowmündung gischten weiße Brecher auf und das Wasser wird in den alten Strom hineingedrückt und wir mussten schon mehrfach die Leinen und die Fender “nachjustieren”, damit die Else nicht vehement gegen die Mole kracht.

Abgesehen davon, dass es schöneres gibt, gestaltet sich der Tag auf der Else ganz gemütlich, bei Heizung warm und trocken und man kann so dies und das machen, nur noch nicht das, was wir schon seit der Abfahrt wollen, nämlich unseren Proviant und unsere Ausrüstung sinnvoll zu verstauen. Unmittelbar neben dem Liegeplatz kann man die zahlreich in die Warnemünde und Rostock einlaufenden Seeschiffe zum Greifen nah beobachten, heute Morgen lief z. B. die “Costa Pacifica” in Griffweite an uns vorbei, Warnemünde scheint zu einem Mekka der Kreuzfahrtschiffe geworden zu sein….!

Gestern gab es dann noch einen Riesenschreck: ein Routineblick in den Motorraum offenbarte, dass unter beiden Motoren ein geschätzter Viertelliter Öl stand! Aus, Schluss, vorbei oder was?! Eine nähere Inaugenscheinnahme ergab, dass das Öl offensichtlich aus den Schläuchen der Kurbelwannenentlüftung, die am Luftfilter angeschlossen ist – und nicht ganz dicht ist – ausgetreten ist. Da in den Motoren der Ölstand selber noch über Maximum war, ist davon auszugehen, dass bei der letzten Wartung wohl zuviel Öl eingefüllt worden ist… Toll !

Da ich keine anderen Ölleckagen feststellen konnte, bleibt die Vermutung und Hoffnung, dass diese Annahme richtig ist und wir werden bei der für morgen vorhergesagten Wetterbesserung in Richtung Rügen mit Ziel Stralsund aufbrechen. Zuvor werden wir hier im alten Strom noch tanken und dann auf See das Kalibrierungsprogramm unseres Autopiloten durchfahren müssen, da dieser nämlich spinnt…!

Irgendetwas ist immer…!

Neu daran ist, dass der bisherige Ablauf uns drei anstrengende, verregnete und windige Urlaubstage beschert hat; wenn man jetzt, wie eigentlich üblich “nur” zwei oder drei Wochen Urlaub hätte, dann wäre die Stimmung jetzt berechtigt schon mäßig, weil ja schon ein Teil des Urlaubs mit so schlechten Randbedingungen vorbei wäre…!

Diesmal ist alles anders: Was scheren uns drei solche Tage in drei Monaten…

 

 

Schleimünde

45 Minuten nach der Abfahrt in Kappeln: Schleimünde, keine gute Sicht, aber noch “fahrbar”…

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..dachten wir, kurze Zeit später sah es nach vorne so aus…

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…und nach hinten nicht anders….!

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immer verbunden mit der Hoffung “das geht gleich weg und klart auf…”

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tats denn auch, aber viel später, hier ist die Sicht schon richtig gut….!

 

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entspannende Gleitfahrt nach vier Stunden Angst bei wieder guter Sicht..!

 

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ab Fehmarn ist alles richtig entspannt, zwar immer noch kein Horizont erkennbar, übergangslose “Watte” da wo man einen Horizont wähnt, aber trotzdem ca. 10 km “dimensionslose”Sicht, erkennbar an großen Schiffen, die ganz nah erscheinen, in Wirklichkeit aber ganz weit weg sind…

 

 

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angekommen an der Mole im “Alten Strom” in Warnemünde..

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“Nachtimpression 1” am Liegeplatz…

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“Nachtimpression 2” am Liegeplatz, die “Prins Joachim” der Scandlines läuft nach Warnemünde ein, mithören im Funk “Warnemünde Traffic” und mitsehen auf dem AIS macht Spaß…

 

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“Nachtimpression 3” am Liegeplatz : hinter ELSE läuft die “Prins Joachim” weiter nach Warnemünde ein…

 

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“Nachtimpression 4”, ELSE am Liegeplatz….

 

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Am nächsten Tag : Hafenausfahrt, von der ELSE aus gesehen : wer will da los…??

 

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Hafenausfahrt, andere Perspektive, auch nicht besser…

 

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Warnemünde ist zum Mekka der Kreuzfahrer geworden, hier läuft die “COSTA PACIFICA” an uns vorbei…

 

 

2 thoughts on “The Fog – vier Stunden Angst

  1. Radar beruhigt ungemein…!
    War schön, euch zu verabschieden und wir wünschen Euch eine gute Reise. Wir sind in Gedanken bei Euch. Schöne Bilder im übrigen ;-)!

  2. Also ich bin schon ein bisschen neidisch…. Trotz Nebel….
    und ich würde mich mit Radar beschäftigen…wenn ich es mir denn leisten könnte.
    Hier ist übrigens alles ok…:-)

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