Beobachtungen in Kolobrzeg

Ein kleiner Auszug aus dem Reisetagebuch von Uli:

Einwohnerbetrachtung: Die Modererscheinungen in Kolberg sind  fragwürdig. Unter dem meist rot gefärbten Haarschopf finden sich Plastiklederjacken, neonfarbene T-Shirts – gerne auch als Tiger verkleidet – riesige Plastik- oder Goldketten, Leggings – besonders gerne an den moppeligen Gestalten – oder gar Jogginghosen, die scheinbar jede Frau gerne zu allen Gelegenheiten trägt. Die mittelalte Kolbergerin hat an den Füßen meistens Schuhe mit Korksohlen und mit Glitzersteinen beklebten Riemchen, auf denen offenbar schwer zu gehen ist.

Das männliche Exemplar trägt Jeans – oder auch Jogginghosen – gerne auch ein paar Nummern zu groß, ein enges, reingestopftes Polo- oder T-Shirt und drüber einen Blouson aus irgendwas oder Baumwollimitat. Sie treten gerne in Kleingruppen auf und erörtern anscheinend das Weltgeschehen.

Auch am Hafen trifft man fast nur auf Männer. Die eingeschworenen Männercrews von den Booten, die abends in Schläppchen, Jogginganzug, Handtuch um den Hals und Täschchen zu den Duschen pilgern…

Nicht zu vergessen sind die „2-Sekundenangler“, die bei beginnender Dunkelheit den Hafen bevölkern. Dunkle Gestalten mit Angel und Handy: sssst – Angel auswerfen – zack – einholen – weiter gehen – sssst – zack – weiter – sssst – zack – telefonieren – weiter – sssst – zack… Und was soll das ????

Bin gespannt, was Tallin, Riga oder Helsinki zu bieten hat…

 

 

Irgendwas ist immer…

So schloss einer der letzten Posts…

Heute war auch wieder was : Ich wundere mich über das häufige Anspringen der Druckwasserpumpe für die Wasserversorgung der ELSE;

Ein Blick auf die Füllstandsanzeige des Wassertanks offenbart nur noch 50%, obwohl wir gar nicht viel Wasser verbraucht haben… Dafür ist der Wasserstand in der Bilge 100 %, durch ein stecknadeldickes Loch in einer Wasserleitung ist das Wasser aus- und in den Motorraum eingetreten, hat die Bilge gefüllt und die Motoren mit einem Sprühnebel getränkt…

Mit einer der zahlreichen installierten und mitgenommenen Lenzpumpen pumpen wir das Wasser ins Hafenbecken, zum Glück hatte ich zuvor das Öl im Motorraum so vollständig ausgewischt, dass unser Bilgenwasser keine sichtbaren Spuren im Hafenbecken hinterlässt.

Schnell das Loch mit „Rescuetape“ abgedichtet, hält zum Glück und ist dicht, zum Auswechseln des Schlauchstückes habe ich keine Lust mehr…

Die eingenässten Motoren springen klaglos an und trocknen ab.

Wenn sich denn die „Widernisse“ auf solche Aktionen beschränken will ich nicht meckern, Nebel ist schlimmer und das Loch im Rohr hätte ja auch in irgendwelchen schwer zugänglichen Bereichen der Else sein können…! Mehr geht auch immer…!

Morgen geht es weiter, wenn es das Wetter zulässt, nach Darlowo oder Ustka…

Zuvor kriegen wir noch mal Diesel, es ist noch viel drin im Tank, aber ich habe ihn gerne voll…

Der Diesel wird direkt ans Boot geliefert, für deutsche Verhältnisse zum Schnäppchenpreis, ebenso wie Lebensmittel in Polen…!

Trotzdem : hoffentlich ist Morgen nichts….!

Ach ja, schnell noch Wasser auffüllen…

 

 

Ruden-Kolberg

Eigentlich gehören vor diesen Post noch zwei andere vervollständigt, aber ich hatte mehr Lust auf diesen, den ich gestern während der langen Fahrt von der kleinen Insel Ruden östlich des Greifswalder Bodden nach Kolberg geschrieben habe. Noch fehlende Bilder und Texte der anderen Posts folgen…

Der Text für unser „Nebelabenteuer“ („The Fog – vier Stunden Angst“) jetzt aber online, also gerne mal zurückgehen….

Der Morgen im Hafen von Ruden beginnt mit strahlender Sonne und ca. 2 Bft Wind. Der Blick über die Mole aufs Meer ist vielversprechend, nur eine leichte „Restwelle“ vom Vortag ist sichtbar und wir beschliessen, den „langen Ritt“ nach Kolberg, ca. 65 Seemeilen, zu machen. Wir wollen endlich „was Fremdes“ sehen und sind scharf auf Danzig, was auch bei größeren Tagesetappen noch 2-3 Tage entfernt ist, vorausgesetzt, das Wetter bleibt fahrbar.
Wir machen uns startklar und verlassen den mit Seifenschaum verzierten Hafen von Ruden : Die Chartersegler auf der COCO haben ausgiebig geduscht und gespült, nun ist alles sauber, nur der Hafen nicht…
Wir verlassen Ruden durch das ausgiebig betonnte Fahrwasser duch die Flachs östlich der Insel und erreichen nach ca. einer halben Stunde die letzte Tonne und nehmen von da an mit genau 90 Grad Kurs auf Kolberg. Backbordseitig bleibt die „Greifswalder Oie“ zurück, eine nur etwas größere Insel als Ruden, aber mit mehr Wald und Steilküste, sie sieht vom Wasser jedenfalls richtig einladend aus…
Achtern sind im Sonnenlicht in weiter Ferne die Kreidefelsen von Rügen gut erkennbar, versinken mit zunehmender Entfernung langsam im Meer.
Der Autopilot, der immer noch keinen adäquaten Namen hat, steuert ELSE mit 7.5 Knoten auf die Ansteuerungstonne von Kolberg zu, bei dieser Entfernung verbleiben noch etwa fünf Stunden wiegende Schaukelfahrt – die „Restwelle“ kommt von vorne- , die wir uns im Tagesverlauf aber noch durch etwas Gleitfahrt verkürzen werden…
Zwischenzeitlich sind wir in polnischen Hoheitsgewässern, Land ist nicht mehr zu sehen, Handyempfang gibt`s nicht mehr….
Mehrfachl muss ich den Kurs des Autopiloten unterbrechen, voraus, genau auf Kurs, taucht zum einen eine nicht in der Karte verzeichnete Hindernistonne und ein weiße Boje unweit davon auf; keine Ahnung, was sich auf 13 Meter Wassertiefe darunter verbirgt, ich mache lieber einen Bogen darum, ebenso wie um mehrere Fischernetze (8 SM von der Küste entfernt !), die ebenfalls mit Bojen gekennzeichnet sind.
ELSE folgt unbeirrt und monoton dem Kurs auf die Ansteuerungstonne und es bleibt viel Zeit, diesen Text zu schreiben und zu lesen. Da die Sicht sehr gut ist, reicht ein gelegentliches „Aufgucken“ um sich zu vergewissern, ob da immer noch nichts ist, wo eben schon nichts war..Stundenlang ist weder Land noch andere Schiffe zu sehen !

Mal sehen, was uns in Kolberg erwartet.

Nachtrag : Bevor wir in Kolberg gegen 18:30 angekommen sind, hat sich ca. 10 SM vor Kolberg kaum merklich die Sicht verschlechtert : Eben war`s noch schön, auf einmal diesig, um dann in Seenebel überzugehen…! Gut, die Sicht war noch deutlich besser als bei unserem „Startnebel“ ab Schleimünde, aber ohne Landsicht navigieren wir plötzlich wieder in einer grauen Masse. Vor der Sichtverschlechterung hatten wir uns bei etwas ruppiger gewordenem Wasser noch etwas unangenehme Gleitfahrt gegönnt, jetzt sind wir froh, das wir dadurch bis auf zwei Seemeilen an die Ansteuerungstonne von Kolberg, die auch alsbald aus dem Nebel auftaucht, herangekommen sind.

Auf dem Plotter setzten wir schnell einen Wegpunkt direkt vor die Molenköpfe der Hafeneinfahrt von Kolberg und warten mit trocknem Mund gefühlt sehr lange, bis der Autopilot bei der Schaukelei träge den Kurs auf diesen Punkt findet.
Hinter uns huscht ein Schiff vorbei, ist ebenso schnell verschwunden wie es aufgetaucht ist…
Auf Kanal 12 funken wir die „harbour control“ Kolberg an, erkundigen uns in gebrochenem Englisch nach „outbound traffic“, woraufhin wir nach unserer Position gefragt werden – sehen kann er uns nur auf dem Radar- und wir dann die Auskunft erhalten das nix entgegenkommt und wir dem „you can enter the harbor“ folgen…
Kurze Zeit später tauchen aus der „Suppe“ die Molenköpfe auf und nehmen uns kurz darauf später gefühlt wie „Abrahams Schoß“ auf…
Kurze Zeit später machen wir in der hypermodernen „Marina Kolobrzeg“ fest und werden von einem angenehmen hilfreichen Hafenmeister in die Benutzung der „Marinaausstattung“ eingewiesen…
Wir laufen noch ein bisschen rum und in Richtung Stadtzentrum, versorgen uns an einem Kiosk mit Bier und „Einlaufzigaretten“ und lassen das Erlebte Revue passieren : Keine Landsicht bis kurz vor dem „stranden“ macht keinen Spaß und warum kommt das soooo überraschend nach eben noch Sonne pur…
Vor dem Schlafen gehen steht noch Bastelei an : Die Landstromversorgung funktioniert nicht. Nach allerlei Messungen stelle ich fest, das ggf. tödliche 230 Volt auf dem Schutzleiter liegen ! Für die andere Steckdose fehlt uns nun ein Chip und ich maschiere zum Hafenmeister (24 h-Service !) und er erinnert sich, „dass das Problem schon mal da war, vor zwei Wochen, aber die andere Steckdose ist gut, 100 %ig…!“ Womit er recht behalten sollte…
Wir beschliessen, am nächsten Tag auf jeden Fall in Kolberg zu bleiben.

Stralsund-Ruden

Hier fehlen zur Abwechslung mal die Bilder, die kommen noch, es ist nur so mühselig, sie „internettauglich“ zu machen…

Dafür ist der Text für unser „Nebelabenteuer“ („The Fog – vier Stunden Angst“) jetzt online….

Wir wollen endlich weiter ! Laut Wettervorhersage soll der starke Regen ab Mittag in leichten Regen übergehen und der teils stürmische Wind soll nachlassen. Beides gehorcht der Wettervorhersage und wir brechen auf nach Freest, einem Hafen unweit von Peenemünde.
Zuvor werfen wir noch unsere Chipkarte für die Citymarina Strahlsund in den Briefkasten des Hafenmeisters, der nur morgens und abends kurz da ist und jetzt eben nicht…Mal sehen, ob er unserer Bitte auf einem Zettel, das Pfand für die Karte und das Restguthaben zu überwiesen. Der allgemeinen Erfahrung folgend, wird sich ihm diese Bitte nicht erschliessen..
Bei zunehmend besserem Wetter durchfahren wir den Strelasund und erreichen den Greifswalder Bodden. Kurz vor der Insel Ruden, einem nur 0,24 qkm großen „Eiland“, müßten wir eigentlich den Kurs nach steuerbord durch eine Fahrinne nach Peenemünde/Freest, ändern; Im Hafenführer lese ich -erst jetzt- , das es auf Ruden einen „Nothafen“ ohne jegliche Versorgung gibt; Ich fände es charmant, diese kleine Insel anzulaufen und dort zu übernachten, zumal sie eine bessere „Ausgangsposition“ für unsere Weiterfahrt darstellt; Im Internet – geht hier noch- schreibt so ein Forenfuzzi, dass man Ruden aber nicht oder nur in Not anlaufen darf, etwa wie den Nothafen Darsser Ort;
Auf Kanal 09 funke rufe ich die „Revierzentrale Wolgast“ an; dort meldet sich ein „akustischer“ Renter, der sich unser Anliegen, auf Ruden anzulegen anhört und mit den Worten „keine Ahnung“ ich glaube nicht…!“ ist der kurze Dialog beendet.
Grund genug, sich persönlich davon zu überzeugen und so nehmen wir Kurs auf Ruden, um dort eine halbe Stunde später im „Nothafen“ anzulegen. Ein kleines Segelschiff und eine polnische Segelyacht, die bald nach unserer Ankunft ablegt, ist zunächst unsere einzige Gesellschaft.
Kurze Zeit später lernen wir fünfzig Prozent der ständigen Bevölkerung Rudens in Form einer netten mittelalten Hafenmeisterin kennen, die uns ein Minimalhafengeld von 6 Euro abnimmt. Sie empfiehlt uns den Besuch des“ Museums“ („ich lasse die Tür offen, aber bitte vor Dunkelheit gehen, da gibt`s kein Licht..!).
Also, Anlegen darf man da und offensichtlich ist man auch willkommen !
Das „Museum“ ist eine kleine informative Ausstellung zur Inselhistorie, die in einem alten „Messturm“ untergebracht ist : von hier aus hat man die zu Führers Zeiten in Peenemünde abgeschossenen Marschflugkörper beobachtet und deren Flugbahn vermessen.
Zwischenzeitlich ist ein ca. 42 ft große Segelyacht von Grünke Yachtcharter in den praktisch leeren Hafen eingelaufen und vier Besatzungmitglieder mühen sich bei optimalen Bedingungen anzulegen, was auch schon beim dritten Mal gelingt.
Wir erkunden noch auf einen kleinen Rundgang die einsame Insel, über deren Existenz ich bis vor wenigen Stunden noch nicht einmal wusste…!
Das „Hafenmeisterbüro“ und die sanitären Anlagen in Form eines Plumpsklos im Wald schlafen einen Dornröschenschlaf, hiervon zeugt ein Kalender aus August 2008..
Das Plumpsklo wird von einem der Segler von dem kleinen Schiff offensichtlich wiederbelebt..
Ein insgesamt beeindruckendes Flecken Erde, in dessen Einsam- und Wortlosigkeit ich durchaus ein paar Tage verweilen könnte ! Diese Gelegenheit werden wir im Laufe der Reise aber wohl noch öfter bekommen.

Warnemünde – Stralsund

Auch hierzu gibt es einen Text, der bald kommt…

CIMG0018


Die Ruhe nach dem Sturm : Der Spuk ist vorbei, die Ostsee präsentiert sich perfekt…

 

CIMG0026

…so das Bernd und Nicola mit ihrer „Tabaluga“ schon eher früh in Rchtung Kühlungsborn aufbrechen, während wir noch Tanken wollen….

 

CIMG0045

Eine leichte „Restwelle“ vom Vortag, in Verdrängerfahrt angenehm wiegend, ziehend und schiebend, in Gleitfahrt nicht wahrnehmbar…Das Meer strahlend blau, keine Menschenseele ausser wir und achterlich durch das Verdeck kein Wind, Sonne pur, warm und für drei Stunden T-Shirt-Wetter und der erhoffte erste leichte Sonnenbrand…!

CIMG0040

Leuchtturm Darßer Ort auf der Halbinsel Darß- Fischland-Zingst…

 

CIMG0051

Nordspitze von Rügen, gaaanz weit weg, schemenhaft sind Kreidefelsen erkennbar..

 

CIMG0067

Stralsund in Sicht…

CIMG0072

abendliche Stadtkulisse von Stralsund, kurz vor dem Anlegen…

 

CIMG0077

am Liegeplatz in Stralsund, Blick auf die Hafenausfahrt….

 

CIMG0078

auch am Liegeplatz, mit Blick auf die Strelasundbrücke…

 

CIMG0084

Stralsund mit Else davor…

 

CIMG0097

Kirche in Stralsund, eine von vielen…

 

CIMG0106

„Multifunktionshalter“ mit polnischer Gastlandsflagge und Wlan-Antenne, endlich montiert…

The Fog – vier Stunden Angst

Der erste Post vom Wasser…! Es gibt viel zu erzählen, der Text ist noch nicht fertig, dafür aber die ein wenig „selbsterklärenden“ Bilder…

Die lange Geschichte kommt in den nächsten Tagen…!

Nachtrag 28.05.2013 : hier ist sie auch schon..!

Nach einem hektischen – fast fluchtartigen – Aufbruch – wir wollen endlich los! – sind wir am Sonntag nach dem Frühstück nach Kappeln aufgebrochen.

Noch einmal war das Auto wieder so vollgestopft, dass wir das Angebot von Anke, ob sie denn etwas nach Kappeln bringen soll, gerne in Anspruch genommen haben.

Dort angekommen hat uns Anke schon mit dem von ihr transportierten Teil des Gepäcks erwartet; im Verlauf des späten Nachmittags kamen dann noch Harry und Silke mit ihrem Julian und einem befreundeten Paar mit Kindern, um uns zu verabschieden.

Nach ein paar Stunden war die Else abschließend „bestückt“ und ist entgegen der Erwartung nicht untergegangen, war aber kaum mehr „begehbar“, da erst einmal alles auf’s Boot geschafft worden ist, ohne es sinnvoll zu verstauen. Dafür war es einfach zu viel! Egal: erst einmal war alles an Ort und Stelle und in Anbetracht des für Pfingstmontag vorhergesagten ruhigen schönen Wetters haben wir das Chaos Chaos sein lassen und sind mehr oder weniger erschöpft in die Koie gefallen, um am Montag rechtzeitig „aus den Federn“ zu kommen.

Der Pfingstmontag erwartete uns gegen halb sieben Uhr morgens mit diesigem aber durchaus „sichtigem“ Wetter, sodass wir im Hinblick auf das Tagesziel Rostock einen „Schnellstart“ hingelegt haben, um das erwartete schöne Wetter mit ruhigem Wasser in gemischter Verdränger- und Gleitfahrt zu genießen…

Es kam ganz anders:

Irgendwie war es nach wie vor diesig, erschien aber „fahrbar“. Der Leuchtturm von Schleimünde, dessen Getröte wegen schlechter Sicht wir schon am Liegeplatz in Kappel gehört hatten, war durchaus bereits in einer geschätzten Entfernung von ca. einer Seemeile noch zu erkennen, sodass wir unsere Fahrt durch die Schleimündung auf die Ostseee fortsetzen mit dem Zwischenziel Fehmarnsund. Schon bald wurde die Sicht unmerklich, aber irgendwie schlechter, sowohl die Voraussicht, als auch die Rücksicht; irgendwie erschien uns der Himmel darüber aber hell und so waren wir der festen Überzeugung „das lichtet sich gleich“!

Nichts lichtet sich, stattdessen tauchte, eigentlich auch noch ganz gut sichtbar in sicherer Entfernung ein Fischkutter auf, der mit dem Setzen von Radarreflektor bestückten Bojen zur Kennzeichnung seiner Netze beschäftigt war. „Na gut, den konnte man eigentlich noch ganz gut im Nebel erkennen“, dachten wir und setzten unsere Fahrt fort.

Irgendwie wurde es immer dichter, unsere Überlegungen umzukehren erschienen uns absurd, weil es vorne wie hinten gleich aussah und irgendwie müsste es ja gleich auch einmal zu Ende sein….! Wie gesagt, es kam anders, der Nebel hielt sich, die Sichtweite verringerte sich auf geschätzte 50 m, gut daran zu erkennen, dass ein eher großer Schweinswal unseren Kurs mit einer beeindruckenden Finne auf seinem Rücken querte.

Wir glauben, dass alles gleich vorbei ist und sich der Nebel lichtet, zusammen mit der Anspannung, die man auch als Angst bezeichnen könnte: man konnte schlicht nicht mehr die Hand vor Augen sehen, nichts mehr wahrnehmen und gebannt starten wir in den Nebel und lauschten, soweit das eigene Motorengeräusch das zuließ, Nebelhörner oder Motorgeräuschen anderer Schiffe. Nichts, einfach nichts! Völlig unvermittelt tauchte unmittelbar vor dem Bug ein Segelschiff auf, zum Glück nicht auf Kollisionskurs, sondern um ca. 30 m versetzt; ganz kurzes rüberwinken, ich möchte noch ein Bild machen, geht nicht mehr, schon weg…! Da war sie, die Bestätigung, dass man im Bedarfsfall nicht, aber auch nichts mehr machen kann, zumal das Segelschiff und der Motor sehr langsam fuhr, ebenso wie wir.

Zwischenzeitlich hatte das in den Nebel Starren Folgen: Sowohl Uli als auch ich sahen schemenhafte Gestalten, Schiffe, Blitze, Trauerweiden, Irrlichter und und und ! Kein Reinsteigern, es war irre, die Konzentration spielt einen Streich und auf einmal war uns ziemlich klar, warum Seeleute früher das eine oder andere Mal Geisterschiffe oder meinetwegen auch den Klabautermann gesehen haben wollen…“!

Zwischenzeitlich hatte ich das „virtuelle AIS“ auf meinem Tablet konsultiert und konnte auf der dort dargestellten Seekarte sehen, dass hinter uns ein Segelschiff namens OBAN fuhr; um wenigstens etwas außer geradeaus im Blindflug zu fahren, kam mir eine gute Idee: Auf Kanal 16 sprach ich die OBAN an, die auch nett gleich antwortete: Zum einen bat ich sie, mitzuteilen, ob sie uns wenigstens auf ihrem Radar sehen würden, was sie Dank meines Radarreflektors bestätigten. Wenigstens etwas, dachten wir, normal fährt bei so einem Wetter kein Idiot ohne Radar und dann sehen die uns wenigstens…!

Die zweite Bitte an die OBAN wurde abschlägig beschieden: Meine Idee war, wenn z. B. die OBAN auch in Richtung Fehmarn unterwegs wäre, zurückzufahren und mich an sie „ranzuhängen“ und in ihrem Schatten zu folgen, weil die ja nun durch ihre Radar einfach mehr sehen. Leider teilte der Skipper von der OBAN mit, dass ihr Ziel Kiel sei, wobei mir beim Schreiben dieser Sätze die Idee kommt, dass man der OBAN auch nach Kiel hätte folgen können, um aus dem Schlamassel rauszukommen. Auf diese Idee bin ich in Folge meiner angespannten Sinne aber zum Zeitpunkt des Kontakts mit der OBAN nicht gekommen.

Da es in alle Richtungen gleich mies aussah, beschlossen wir notgedrungen, die Fahrt fortzusetzen. Nach ca. vier Stunden lichtete sich der „obere Teil“ des Himmels und eine völlig schemenhaften Sonne erschien, allerdings ohne jeglichen Einfluss auf die völlig miese Voraussicht.

Gefühlt noch ca. eine weitere Stunde sind wir in der Suppe gefahren, dann endlich lichtete sich der Nebel, das Grau wich einem Wattebauschnebel, der weiterhin jegliche Entfernungswahrnehmung verhinderte, wenigstens wurde das Ganze von einem strahlend blauen Himmel gekrönt.

Die Stimmung stieg, erlösende Gleitfahrt mit 24 Konten vermittelte das Gefühl, dass es vorbei ist und wir dies unfreiwillige und letztlich irgendwo ungewollt leichtsinnige Abenteuer unbeschadet überstanden haben.

Nach einigen Meilen war wieder Schluss: Der Nebel sah zwar nicht mehr bedrohlich aus, da diesmal weiß anstatt grau, aber die Sicht war wieder minimal und nicht einschätzbar.

Auf dem „virtuellen AIS“ wurden einige Berufsschiffe im Umkreis von ca. 10 – 20 Meilen dargestellt; wieder um irgendetwas zu tun, habe ich diese Schiffe der Reihe nach per Funk angesprochen, um endlich bei einem unter zypriotischer Flagge fahrenden Frachter namens „AURORA“ Erfolg zu haben; der Wachhabende auf der AURORA und ich wechseln die Funkkanäle, um unser Gespräch vom Anrufkanal auf den „Quasselkanal“ zu verlagern. In meinem gebrochenen Englisch schildere ich ihm kurz meine Situation und erbat seine Auskunft zur Sicht an seiner „Current Position“: kurze Frage, klare Antwort „fog, visibility hundred meter“. Na klasse, und das dann wohl die nächsten 15 Seemeilen noch! Um es kurz zu machen: Der Nebel lichtete sich sehr viel schneller als befürchtet, wir nahmen wieder erleichtert die Gleitfahrt auf und hatten endlich das Gefühl, das alles vorbei ist und der Reisebeginn seinen erhofften Verlauf nimmt.

Durch die Gleitfahrt sind wir dann relativ schnell in Fehmarnsund angekommen, haben vorher noch ganz viele Schweinswale, zum Teil in Gruppen von mehreren Tieren, im Bereich des Fehmarnsundes gesehen, um dann Kurs auf Rostock zu nehmen. Erneute kurze Zweifel, die Sicht wurde wieder schlechter, außer Frage noch ca. 5 km, aber aufgrund des bisher Erlebten, waren wir in unserer Euphorie etwas zurückhaltender geworden und wägten einige Zeit lang ab, ob wir den „Ritt“ von Fehmarn nach Rostock, nochmals ca. 35 Seemeilen, antreten oder nicht.

Ein Blick auf die Satellitenkarte offenbarte die Sichtverschlechterung im Fehmarnsund offensichtlich als Schauer und telefonische Rücksprache mit Bernd von der Tabaluga, die ebenfalls auf dem Weg nach Rostock war, ergab, dass die Sicht den ganzen Tag auf dieser Strecke und auch aktuell eigentlich vergleichsweise erträglich war.

So haben wir uns dann entschieden, noch einmal richtig Gas zu geben und sind in völlig ruhiger entspannender Gleitfahrt über eine fast lieblich anmutende völlig glatte Ostsee, die in weiße Watte gepackt in einen blauen Himmel überging, in Richtung Rostock gebraust.

Ca. 10 Seemeilen vor Rostock haben wir dann direkt Funkkontakt mit der Tabaluga aufgenommen und uns für „gemeinsames Liegen“ im „alten Strom“ in Warnemünde verständigt.

Gegen 17.30 Uhr lag die Else sicher vertäut vor der Tabaluga an der Mole des alten Stromes.

Das obligatorische Einlaufbier ließ die Anspannung endgültig auf den Nullpunkt fallen und in Müdigkeit übergehen.

Wir sind dann noch an der „Waterfront“ des durchaus charmanten Bereichs des „alten Stromes“ in Warnemünde Essen gegangen, um dann ebenso erschöpft wie am Vorabend in Koje zu fallen.

Da die Wettervorhersage von dem vorhergesagten ruhigen sonnigen Wetter auf Regen und Wind aus West mutierte, war ziemlich schnell klar, dass wir auch am nächsten Tag noch in Warnemünde bleiben werden.

Da sind wir denn auch, sogar einen zweiten Tag, weil aus dem vorhergesagten etwas schlechterem Wetter nämlich richtig schlechtes geworden ist: den ganzen Tag Gallerregen, Wind bis Stärke 7 aus West und eine an der Mole knarzende und schaukelnde Else.

An den Außenmolen der Warnowmündung gischten weiße Brecher auf und das Wasser wird in den alten Strom hineingedrückt und wir mussten schon mehrfach die Leinen und die Fender „nachjustieren“, damit die Else nicht vehement gegen die Mole kracht.

Abgesehen davon, dass es schöneres gibt, gestaltet sich der Tag auf der Else ganz gemütlich, bei Heizung warm und trocken und man kann so dies und das machen, nur noch nicht das, was wir schon seit der Abfahrt wollen, nämlich unseren Proviant und unsere Ausrüstung sinnvoll zu verstauen. Unmittelbar neben dem Liegeplatz kann man die zahlreich in die Warnemünde und Rostock einlaufenden Seeschiffe zum Greifen nah beobachten, heute Morgen lief z. B. die „Costa Pacifica“ in Griffweite an uns vorbei, Warnemünde scheint zu einem Mekka der Kreuzfahrtschiffe geworden zu sein….!

Gestern gab es dann noch einen Riesenschreck: ein Routineblick in den Motorraum offenbarte, dass unter beiden Motoren ein geschätzter Viertelliter Öl stand! Aus, Schluss, vorbei oder was?! Eine nähere Inaugenscheinnahme ergab, dass das Öl offensichtlich aus den Schläuchen der Kurbelwannenentlüftung, die am Luftfilter angeschlossen ist – und nicht ganz dicht ist – ausgetreten ist. Da in den Motoren der Ölstand selber noch über Maximum war, ist davon auszugehen, dass bei der letzten Wartung wohl zuviel Öl eingefüllt worden ist… Toll !

Da ich keine anderen Ölleckagen feststellen konnte, bleibt die Vermutung und Hoffnung, dass diese Annahme richtig ist und wir werden bei der für morgen vorhergesagten Wetterbesserung in Richtung Rügen mit Ziel Stralsund aufbrechen. Zuvor werden wir hier im alten Strom noch tanken und dann auf See das Kalibrierungsprogramm unseres Autopiloten durchfahren müssen, da dieser nämlich spinnt…!

Irgendetwas ist immer…!

Neu daran ist, dass der bisherige Ablauf uns drei anstrengende, verregnete und windige Urlaubstage beschert hat; wenn man jetzt, wie eigentlich üblich „nur“ zwei oder drei Wochen Urlaub hätte, dann wäre die Stimmung jetzt berechtigt schon mäßig, weil ja schon ein Teil des Urlaubs mit so schlechten Randbedingungen vorbei wäre…!

Diesmal ist alles anders: Was scheren uns drei solche Tage in drei Monaten…

 

 

Schleimünde

45 Minuten nach der Abfahrt in Kappeln: Schleimünde, keine gute Sicht, aber noch „fahrbar“…

CIMG9947a

..dachten wir, kurze Zeit später sah es nach vorne so aus…

CIMG9944a

…und nach hinten nicht anders….!

CIMG9949a

immer verbunden mit der Hoffung „das geht gleich weg und klart auf…“

CIMG9953a

tats denn auch, aber viel später, hier ist die Sicht schon richtig gut….!

 

CIMG9954a

entspannende Gleitfahrt nach vier Stunden Angst bei wieder guter Sicht..!

 

CIMG9963a

ab Fehmarn ist alles richtig entspannt, zwar immer noch kein Horizont erkennbar, übergangslose „Watte“ da wo man einen Horizont wähnt, aber trotzdem ca. 10 km „dimensionslose“Sicht, erkennbar an großen Schiffen, die ganz nah erscheinen, in Wirklichkeit aber ganz weit weg sind…

 

 

CIMG9992

angekommen an der Mole im „Alten Strom“ in Warnemünde..

IMG_5996

„Nachtimpression 1“ am Liegeplatz…

CIMG9978

„Nachtimpression 2“ am Liegeplatz, die „Prins Joachim“ der Scandlines läuft nach Warnemünde ein, mithören im Funk „Warnemünde Traffic“ und mitsehen auf dem AIS macht Spaß…

 

CIMG9981

„Nachtimpression 3“ am Liegeplatz : hinter ELSE läuft die „Prins Joachim“ weiter nach Warnemünde ein…

 

IMG_6000

„Nachtimpression 4“, ELSE am Liegeplatz….

 

CIMG0004

Am nächsten Tag : Hafenausfahrt, von der ELSE aus gesehen : wer will da los…??

 

CIMG0002

Hafenausfahrt, andere Perspektive, auch nicht besser…

 

CIMG9995

Warnemünde ist zum Mekka der Kreuzfahrer geworden, hier läuft die „COSTA PACIFICA“ an uns vorbei…

 

 

Am Vorabend einer langen Reise…

Ein Stück Unsterblichkeit stellt sich ein, etwas von „Major Tom“, völlig losgelöst von den Abläufen und Dingen, die bis eben noch (fremd)bestimmend waren..

Alles fast abgelegt in wenigen Stunden, obwohl noch gar nicht ganz „fertig“…

Erstaunlich und erfreulich.

Ganz viel bleibt zurück, hinter uns, einiges, zumeist geliebtes und willkommenes fährt mit.

Etwa neunzig ganz andere Tage als in den letzten fünfzig Jahren liegen vor uns, Eindrücke, Erfahrungen, kaum Routine, etwas Abenteuer, wenig Gefahr erwarten und fordern uns.

Fordern auf eine ganz andere Weise, zweckfrei, absichtslos, der trockene Mund ist nicht mehr dem „Überleben“ geschuldet, sondern dem Erleben…!

Ein doppelt motorisierte Kunstoffarche, bis Oberkante Freibord gefüllt mit allem was das Herz begehrt, alles was man zum Leben braucht und sogar noch ein bisschen mehr  wird unsere überschaubare kleine Welt in einem großen, nunmehr Realität werdenden Traum sein.

„Baltic Dream 2013 comes true…“ in kaum mehr als vierundzwanzig Stunden.

Der nächste Post kommt schon vom Wasser…

 

 

 

 

Neue Perspektive…

Am vergangenen Mittwoch ist Else am Liegeplatz aus der Luft ausgespäht worden…!

Hier mal eine etwas andere, ungewohnte Sicht auf ELSE :

ELSE am Liegeplatz,links, zweite von oben...

ELSE am Liegeplatz,links, zweite von oben…

Etwas weiter weg...
Etwas weiter weg…

 

Schöne, noch nicht ganz grüne Umgebung...
Schöne, noch nicht ganz grüne Umgebung…

Am Tag der Abreise werden wir uns, so der Plan, mit Bernd und Nicola mit ihrer „Tabaluga“ auf See, vor Kappeln zum gegenseitigen „Fotoshooting“ treffen…Mit Glück ist dann nicht nur das Wetter gut, sondern auch Jutta wieder mit Luftaufnahmen dabei.

Ansonsten gehen die Vorbereitungen in den Endspurt, auf die „Zielgerade“ : Ab Himmelfahrt bin ich für die berufliche Aussenwelt nicht mehr erreichbar, so das mir noch etwas mehr als eine Woche zum „Beerdigen von Karteileichen“ bleibt.

Der Ausrüstungsberg im Wohnzimmer hat sich spürbar verkleinert, da schon auf die ELSE ausgelagert, das Schlauchboot und der Aussenborder sind geprüft und gewartet, der mitreisende Kräutergarten eingesäht, die Änderungsschneiderei hat meine Lieblingsjeans abgeschnitten und umgenäht, viele helfende Hände wissen zwischenzeitlich, was in den nächsten drei Monaten auf sie zukommt und in Haus und Hof ist vieles automatisiert und überwacht.

„Baltic Dream“ ist in Griffweite, kaum zu fassen…!